Freitag, 31. Dezember 2010

Wünsche für 2011

2011

Kurz vor Ende der Wintertransferperiode findet Thomas Ernst auch einen Abnehmer für Marc Pfertzel und Dennis Grote, die zusammen mit Mergim Mavraj und Milos Maric den Verein verlassen.

Goldener Januar für den VfL. Er startet in die Rückrunde mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen. Mimoun Azaouagh erzielt in jedem Spiel ein Treffer!

Am 25. Spieltag gelingt dem VfL mit einem Sieg gegen Karlsruhe erstmals der Sprung auf den 3. Tabellenplatz.

Matias Concha wird im letzten Saisonspiel gegen den MSV Duisburg eingewechselt und gibt sein Comeback.

Bayer Leverkusen fängt den BVB noch ab und wird Deutscher Meister.

Der VfL setzt sich in der Relegation zur 1. Bundesliga gegen den 1.FC Köln durch uns steigt mit Hertha BSC und dem FC Augsburg in die Bundesliga auf.

Celtic Glasgow zieht an den Rangers vorbei und wird schottischer Meister.

Auch andere traditionsreiche Mannschaften steigen wieder auf: Eintracht Braunschweig, Kickers Offenbach, Hansa Rostock, Preußen Münster, RW Essen, Sheffield Wednesday,...

In der Sommerpause verlängert der VfL die Verträge mit seinen jungen Spielern und verzeichnet nur drei Zugänge in der Innenverteidigung, im offensiven Mittelfeld und im Sturm. Ein Deutscher, ein Holländer und ein Grieche. Das sind aber alles richtige Kracher.

Der VfL übersteht die erste Runde des DFB-Pokal.

Der VfL Bochum hat eine ruhige Jahresmitgliederversammlung und wählt mit großer Mehrheit den neuen Aufsichtsrat, der im Laufe des letzten Jahres Stück für Stück um gute Personen ergänzt wurde.

In der Bundesliga-Hinrunde sorgt der VfL mit einem Sieg gegen Schalke und einem Remis in Dortmund für Schlagzeilen. Ruhrpott-Herbstmeister!

Ich wache aus diesem Traum auf...

Sonntag, 26. Dezember 2010

Interview mit Thomas Ernst - Teil II

18:48: Wie sind Sichtungen und Transfers beim VfL organisiert? Wie kommen Transfers zustande?

TE: Unsere Personalplanung basiert im Wesentlichen auf drei Säulen. An erster Stelle ist hier das permanente Sichten zu nennen. Wir haben drei hauptamtliche und zirka zehn Scouts, die für uns auf Honorarbasis arbeiten. Die beobachten kontinuierlich verschiedene Ligen. Wir sichten aktuell in erster Linie in der 1. und 2. Bundesliga, der 3. Liga, der Regionalliga, den A-Junioren-Bundesligen und im benachbarten Ausland. So füllt sich sukzessive unsere Datenbank.

Dazu kommt das Beobachten auf Empfehlung. Nicht selten werden uns Spieler von Beratern angeboten, oder wir bekommen Tipps von Manager-Kollegen, befreundeten Trainern oder anderen Kontakten. In der Regel besorgen wir uns dann Bildmaterial. Wenn aufgrund dieser ersten Erkenntnisse ein Spieler immer noch interessant für uns ist, wird er live vor Ort beobachtet.

Dazu kommt natürlich noch der Input des Cheftrainers. All diese Komponenten beeinflussen das Zustandekommen von Kandidatenlisten.

Für unser Scouting arbeiten wir genau wie Borussia Dortmund oder auch die TSG 1899 Hoffenheim mit der englischen Firma Scout7 zusammen. Sie haben uns eine Datenbank entwickelt, die auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten wurde. Dort können wir Berichte und Beurteilungen sowie Bildmaterial ablegen. Zudem haben wir mit dem Programm die Möglichkeit, Mitschnitte von Spielen auf der ganzen Welt zu bekommen.

Grundsätzlich wollen wir natürlich stets unseren Kader optimieren. Dabei hat dann je nach Entwicklung die eine oder andere Position Priorität. Das hängt nicht zuletzt davon ab, was der eigene Nachwuchsbereich anzubieten hat. Selbstverständlich suchen wir vorrangig junge, entwicklungsfähige Spieler, die möglichst Deutsch sprechen und von denen wir überzeugt sind, dass Sie uns sportlich weiterhelfen. Darüber hinaus kommt der Persönlichkeit der Kandidaten eine große Bedeutung zu. Was nützt es uns, wenn der Spieler technisch und taktisch sehr gut ausgebildet ist, aber nicht die richtige Einstellung zu seinem Beruf oder auch dem Fußball aufweist, den wir hier beim VfL sehen wollen? Beispielsweise wollen wir mit hohem Laufaufwand Fußball spielen. Die Mannschaft sollte hoch stehen und den Gegner permanent unter Druck setzen. Nicht zu vergessen: Im Ruhrgebiet erkämpft man sich Erfolge nun einmal traditionell gemeinsam. All das sind Überlegungen, die bei unserer Kaderplanung eine Rolle spielen.

18:48 Woran können Transfers scheitern?

TE: In diesem Zusammenhang unterliegen wir den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die Mehrzahl der anderen Bundesligisten. Geld kann eine Rolle spielen, eine bessere sportliche Perspektive, ein persönlicher Bezug zum Verein oder handelnden Personen wie z.B. dem Cheftrainer. Das kann vielschichtige Gründe haben.

18:48: Ist der VfL für Spieler noch eine interessante Adresse?

TE: Wir haben zehn Spieler in der Sommerpause verpflichtet. Selbstverständlich ist der VfL Bochum 1848 eine gute Adresse. Hier wird sehr professionell gearbeitet, die Infrastruktur stimmt, eine sportliche Perspektive ist da. Die Wahrnehmung dieses Vereins in Deutschland und über unsere Landesgrenzen hinaus ist positiv.

18:48: Kommen wir zum Leitbild des VfL. Hat sich im Verhalten bei Angestellten, Spielern oder Zuschauern etwas geändert? Kriegt ein Spieler, bevor er beim VfL unterschreibt das Leitbild vorgelegt und muss sich dazu bekennen oder ist es vielfach auch nur eine gut zu vermarktende, aber wenig beachtete Broschüre?

TE: Mein Vorstandskollege Ansgar Schwenken sagt immer, dass unser Leitbild das höchste strategische Gut des Vereins ist. Es diene der Schärfung der Marke VfL Bochum 1848 nach außen und als Handlungsrahmen nach innen. Ich kann diese Worte dick unterstreichen. Das Bild, das ich von diesem Verein als Spieler bekommen habe, wird im Leitbild sehr treffend festgehalten. Als ich zum ersten Mal den Text gelesen habe, habe ich nach nahezu jedem Satz innerlich genickt.

Natürlich bekommen unsere Spieler die Broschüre in die Hand gedrückt und auch den Leitbild-Film gezeigt. Zudem haben wir das Leitbild mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzen lassen, so dass auch Neuzugänge aus dem Ausland vom ersten Moment an vermittelt bekommen, was diesen Verein ausmacht und auszeichnet. Nicht zu vergessen: Im Nachwuchsbereich haben wir einen Verhaltenskodex für Spieler und Eltern festgelegt, der sich an den Werten unseres Leitbildes orientiert.

18:48: Auch während und nach den zuletzt erfolgreichen Spielen forderten einige Zuschauer wieder Ihre Entlassung. Diese Stimmung ist nicht neu sondern existiert, mal stärker, mal schwächer, seit gut einem Jahr. Wie gehen Sie damit um?

TE: So ganz kann ich Ihre Einschätzung nicht teilen. Als wir Ende Februar 2010 zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatten, wurde die Entscheidung für Heiko Herrlich als Cheftrainer von nahezu allen Seiten gelobt. Auch vor dem Saisonstart haben wir für unsere Transferpolitik viel positive Resonanz erfahren. Dass man sich angesichts des Abstiegs und der durchwachsenen Hinrunde als sportlich Verantwortlicher jedoch harter Kritik gefallen lassen muss, das ist völlig normal. Dafür habe ich Verständnis. Mein Anspruch ist es, mich mit Kritik sachlich auseinanderzusetzen und mich Diskussionen zu stellen.

18:48: Marcel Kollers Entlassung wurde von Fans sehr energisch gefordert, ähnlich Heiko Herrlich. Werner Altegoer und der Aufsichtsrat wurden nicht entlastet und zogen daraus die Konsequenzen. Auch in Köln und Rostock rebellierten die Mitglieder auf den Jahreshauptversammlungen und verweigerten die Entlastung. Der 1.FC Köln hat Manager Meier nach massiver Kritik der Fans entlassen. Kann man daraus ablesen, dass der Fan und die Mitglieder mächtiger geworden sind und ihre Rechte stärker nutzen? Müssen die Vereine sich auf diese Veränderungen anders einstellen?

TE: Um diese Frage zu beantworten, muss man sich den gesamtgesellschaftlichen Kontext anschauen, der nun einmal auch Auswirkungen auf den Fußball aufweist. Stuttgart 21 oder die Castor-Transporte sind Beispiele dafür, dass die Menschen mitdiskutieren, in Entscheidungen mit einbezogen werden wollen. Zudem schauen Sie sich doch an, wie sich die Mediennutzungsgewohnheiten durch das Internet und Web 2.0 verändert haben. Der moderne, aufgeklärte Bürger will nicht mehr nur noch unterhalten und informiert werden, er möchte Nachrichten selbst produzieren. Man postet Nachrichten bei Facebook, tauscht sich in Internetforen aus oder schreibt wie Sie einen Internet-Blog. Die Grenzen zwischen Nachrichtenproduzenten und -nutzern verschwimmen und damit auch die Anspruchshaltung.

Darauf müssen wir uns als Verein natürlich einstellen… und haben das auch schon getan. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass Ansgar Schwenken und ich bei jeder Fanclubvertreter-Versammlung anwesend sind, dass mindestens einer von uns bei den Fiege-Fanabenden zugegen ist, dass wir nahezu jede an uns persönlich gerichtete E-Mail, die einen sachlichen Ton aufweist, beantworten oder wir grundsätzlich den Einladungen von Fan-Clubs gerecht werden wollen. Ganz zu schweigen von den vielen Informationen, die wir über die Vereinsmedien verbreiten, um unser Wirken transparent zu machen. Es ist ein zentrales Anliegen von uns, Fans, Mitglieder und Partner auf unserem Weg mitzunehmen. Wir sind immer für Anregungen offen und im Rahmen unserer Möglichkeiten für jedes ernst gemeinte Gespräch zu haben.

18:48: Wie sehr verfolgen Sie die Diskussionen im Internet und den verschiedenen Foren bzw. Blogs?

TE: In erster Linie werde ich durch unsere Presseabteilung und die Fanbetreuung auf dem Laufenden gehalten. Ab und zu schaue ich natürlich auch mal rein. Wenn man Polemik und Eitelkeiten einiger User ausblendet, kann man sich durchaus Anregungen aus den Diskussionen herausziehen. Ein Stimmungsbild ist das allemal, auch wenn man darüber streiten kann, wie repräsentativ es ist.

18:48: Gerade beim Thema Ansprüche des VfL hat man nach meiner Einschätzung lange Zeit an den Fans vorbei gesprochen. Gibt es dazu eine neue und klare Aussage, welchen Anspruch der VfL haben darf und kann?

TE: Wir haben uns doch im Sommer mit dem Wiederaufstiegszertifikat klar positioniert. Es ist unser Anspruch, wirtschaftlich und sportlich dauerhaft erstklassig zu sein. Darüber hinaus besteht Einigkeit darin, wie wir uns das Auftreten der Mannschaft wünschen. Wir wollen Spieler mit Herz und Leidenschaft auf dem Platz sehen. Ein echtes Team, das an sich glaubt, das für einander kämpft und mitreißenden Fußball spielt. Und das am besten mit Talenten aus den eigenen Reihen. Mit Jungs wie Kevin Vogt, Marc Rzatkowski oder Matthias Ostrzolek, die aus Bochum kommen und für den der VfL mehr als ein Arbeitgeber ist.

18:48: Die Zuschauer in Bochum freuen sich, dass wieder junge Spieler aus dem eigenen Stall auf dem Platz stehen. Kann man daraus ableiten, dass der VfL wieder lieber und verstärkt auf diese Spieler baut als, überspitzt formuliert, fertige Spieler aus der zweiten Reihe süd-osteuropäischer Mittelfeldclubs holt?

TE: Seit meinem ersten Tag beim VfL habe ich immer wieder betont, wie wichtig mir die Nachwuchsarbeit ist. In den vergangenen zwei Jahren haben wir sehr viele Dinge vorangetrieben. Wir haben die Abteilung personell aufgestockt und infrastrukturell verbessert. Die Trainer werden fortwährend geschult, Elemente der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung greifen immer besser. Dass wir in dieser und der letzten Saison mit Matthias Ostrzolek insgesamt neun Nachwuchsspieler hochgezogen haben, zeigt doch deutlich, dass die Türe offen steht. Und die ersten Talente sind auch schon hindurchgegangen. Daran wollen wir weiter arbeiten.

18:48: Auch wenn es vielen nicht mehr hören wollen. Zwischen Schalke und Dortmund ist nicht viel Platz sich groß zu präsentieren. Sponsoren, bekannte Persönlichkeiten und die Medien machen einen großen Bogen um die Stadt und den Verein. Besteht Hoffnung auf Besserung oder müssen wir uns in dieser Nische einrichten?

TE: Ich bin der Ansicht, dass der VfL ein toller Verein ist, der sich hinter Branchengrößen wie den Schwarz-Gelben oder den Königsblauen nicht verstecken muss. So wie wir im Nachwuchsbereich eigene Wege gehen, tun wir das in allen anderen Abteilungen auch. Dabei verfolgen wir die Devise, nicht das zu kopieren, was andere tun, sondern unserem Selbstverständnis nach zu handeln. In diesem Zusammenhang haben wir mit dem Leitbild einen wesentlichen Schritt getan. Nun ist es unsere Aufgabe, die von uns selbst definierten Werte auch dauerhaft mit Leben zu füllen. Und dabei sind wir alle angesprochen: Fans, Mitglieder, Mitarbeiter, Spieler und Partner.

18:48: Wie gestaltet sich die Suche nach einem neuen Hauptsponsor für 2011/2012?

TE: In den zurückliegenden anderthalb Jahren hat sich eine tolle Partnerschaft mit Netto entwickelt. Gerade nach dem Abstieg haben wir erfahren dürfen, wie gefestigt diese Verbindung nach der kurzen Zeit bereits ist. Den wahren Wert einer Partnerschaft erkennt man eben gerade dann, wenn es mal nicht so gut läuft. Mit diesem positiven Stimmungsbild gehen wir in die ersten Gespräche mit Netto in Bezug auf die weitere Zusammenarbeit.

18:48: Auch nach der Mitgliederversammlung vom 20. Dezember ist zu erwarten, dass vom neuen Aufsichtsrat personelle Veränderungen in der Vereinsführung gefordert werden. Der Aufsichtsrat wird sich in jedem Fall mit diesem Thema beschäftigen müssen. Wie kämpferisch sind Sie und wie wollen Sie den Aufsichtsrat und die Zuschauer überzeugen, bzw. für sich gewinnen.

TE: Als Vorstandsmitglied kann man die verschiedenen Anspruchsgruppen in erster Linie durch qualitativ gute Arbeit überzeugen. Darüber hinaus bewerten die Mitglieder des Aufsichtsrates die Ideen und Konzepte, die man ihnen vorstellt. Diese Entscheidungsgrundlagen kann ich beeinflussen, ihnen gilt mein Hauptaugenmerk. Zudem bin ich schon immer ein beharrlicher Kämpfer gewesen. Ich werde mit viel Herzblut alles dafür tun, damit dieser Verein wieder dauerhaft erstklassig ist.

18:48: Gibt es beim VfL eigentlich ein abgestimmtes Konzept für die sportliche Entwicklung? Wer gibt die Richtung vor und wie läuft die Abstimmung mit den Nachwuchsmannschaften?

TE: Es gibt eine Philosophie, wie wir uns den Fußball vorstellen, den unsere Mannschaften spielen sollen. Es geht dabei weniger um das konkrete taktische System – ob nun 4-3-2-1 oder 4-4-2, sondern vielmehr um Prinzipien wie der Vorgabe, hoch zu stehen und aggressiv gegen den Ball zu attackieren. Wobei ich an dieser Stelle betonen möchte, dass dies kein statisches Manifest ist, sondern ein dynamischer Prozess, der ständig auf den Prüfstand gestellt sind. Solche Vorgaben sind natürlich im Nachwuchsbereich leichter umzusetzen als in der Bundesliga, wo auch taktische Winkelzüge eines Trainers mitunter zum Erfolg führen. Diese Freiheit braucht ein Profitrainer nun mal auch.

Zudem muss jeder akzeptieren, dass beim VfL der Einbau von eigenen Nachwuchsspielern in die erste Mannschaft mehr als eine PR-Maßnahme oder ein Wirtschaftsmodell ist. Das sind alles Merkmale, nach denen wir natürlich auch unseren Cheftrainer aussuchen.

18:48: Welche Rolle soll der Frauenfußball beim VfL zukünftig spielen?

TE: Erst einmal sind wir froh, dass die Integration der Fußball spielenden Frauen und Mädchen so gut geklappt hat. Dafür gilt vor allem unserer Nachwuchsabteilung um Koordinator Frank Heinemann ein dickes Lob. Mit der entstandenen Organisationsstruktur haben wir nun die Möglichkeit im VfL, leistungsorientierten Frauenfußball anzubieten. Dazu gehört natürlich auch, dass die Teams in möglichst hochklassigen Ligen vertreten sind. Zugpferd dieser Entwicklung ist selbstredend die erste Frauenmannschaft, die mit Trainer Roger Dorny auf einem guten Weg ist, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Sollte dies gelingen und zudem nach der erfolgreichen U20-WM auch die Frauen-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr dem Frauenfußball einen weiteren Schub geben, dann bin ich zuversichtlich, dass Bochum zu einem sehr guten Standort in Deutschland werden kann. Das Potenzial ist vorhanden.

18:48: Herr Ernst, abschließend die offene Frage: Wo sehen Sie Ihre Stärken, was sind Ihre Erfolge beim VfL und was sind die Ziele für die nächsten 1 ½ Jahre?

TE: Stärken und Schwächen gehören zu den Dingen, die andere beurteilen sollten. Ich definiere mich lieber als Teamplayer, der gerne Verantwortung übernimmt und seinen Teil zur positiven Entwicklung des Vereins beitragen möchte. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Veränderungen im Nachwuchsbereich und die strukturellen Modifikationen, die wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf den Weg gebracht haben, dem VfL von Nutzen sein werden. In Bezug auf die Lizenzspielermannschaft ist es mein Ziel, das Team weiter so umzubauen, dass es dem Selbstbild des VfL wieder gerecht wird. Die Menschen in dieser Stadt und darüber hinaus sollen sich wieder mehr mit dem VfL identifizieren können. Ich will den Verein dort hinführen, wo er vom Selbstverständnis nach hingehört: Wir wollen dauerhaft in der 1. Bundesliga spielen.

18:48: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und beruflich und persönlich alles Gute für 2011.

Bild: Diese Torwarthandschuhe hat Thomas Ernst als Torwart des VfB Stuttgart beim Hallenturnier in Schwerin am 5.1.2002 Marcus von 18:48 geschenkt.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Interview mit Thomas Ernst - Teil I

18:48: Hallo Herr Ernst, schön das Sie Zeit haben. – Kurze Frage vorab: Welches sind die Lieblingsvereine Ihrer Kinder?

TE: Da gibt es nur einen: den VfL Bochum.

18:48: Schauen wir einmal zurück. Am 30. September 2000 wurden sie beim VfL Mitte der zweiten Halbzeit für den verletzten Rein van Duijnhoven eingewechselt und hielten Ihren Kasten beim 3:0 gegen Unterhaching sauber. Ihr letzter Einsatz als Torwart beim VfL. Wie verlief Ihr Abschied?

TE: Nach dem letzten Hinrundenspiel ist der damalige Cheftrainer Ralf Zumdick auf mich zugekommen und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, ab der Rückrunde als Standby-Profi in den Trainerstab zu wechseln. Ich sollte dann die Torhüter trainieren und bei Bedarf zwischen die Pfosten zurückkehren. Zu dem Zeitpunkt war ich aber gerade einmal 33 Jahre alt geworden, ein Karriereende schien mir einfach noch zu früh zu sein. Also habe ich im Januar ein Angebot vom VfB Stuttgart angenommen. Dem Verein war ich damals dankbar, dass er mich zu einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt ziehen ließ. Der Abschied ist mir nicht leicht gefallen, vor allem die Verabschiedung vor der Mannschaft war sehr emotional.

Ich wollte aber noch ein paar Jahre Fußball spielen. Im Nachhinein war es sicherlich richtig, den Schritt vollzogen zu haben. Immerhin habe ich dann noch fünfeinhalb Jahre zwischen den Pfosten gestanden, wurde unter anderem 2003 Vizemeister mit dem VfB und habe noch ein paar UEFA-Cup-Spiele bestritten.

18:48: Und wie kam es zu Ihrem Comeback als Vorstandsmitglied beim VfL?

TE: Es begann mit einem Telefonanruf von Werner Altegoer. Anschließend fanden mehrere Gespräche mit dem Aufsichtsrat statt, bei denen ich schnell gemerkt habe, dass es eine gute Basis für eine Zusammenarbeit gibt. Zudem sind Bochum und das Ruhrgebiet zu einer Art zweiten Heimat für mich geworden. Ich habe hier fünfeinhalb Jahre als Profi verbracht, es war damals die erste Station außerhalb des Rhein-Main-Gebietes, weg von meinem damaligen Freundeskreis und der Familie. Ich habe mich von Anfang an im Verein und in der Stadt wohlgefühlt. Sportlich eine sehr ereignisreiche Zeit mit zwei Aufstiegen, einen Abstieg und den unvergesslichen UEFA-Cup-Spielen 1997 erlebt. Das verbindet.

18:48: Sie werden oft an Ihrem Vorgänger Stefan Kuntz gemessen. Stört Sie dieser Vergleich?

TE: Vergleiche mit seinen Vorgängern sind normal, „hinken“ aber meistens. Jede Zeit hat ihre eigenen Rahmenbedingungen, so schwankt z. B. die Summe für mögliche Spielertransfers von Jahr zu Jahr deutlich. Vergleiche sind somit schwer anzustellen. Ungeachtet dessen habe ich großen Respekt vor dem, was hier zwischen den Jahren 2006 und 2008, als Stefan Sportvorstand war, geleistet wurde.

18:48: Welche Transfers fallen unter Ihre Verantwortung? Wie bilanzieren Sie Ihre bisherige Transferbilanz?

TE: Alle Transfers seit Diego Klimowicz fallen in meinen Verantwortungsbereich. Und dabei gab es richtige Treffer, aber eben auch den ein oder anderen Spieler, der die Erwartungen nicht im vollen Umfang erfüllt hat. Fakt ist allerdings, dass wir ohne Diegos Tore 2009 abgestiegen wären, dass Milos Maric und Lewis Holtby wesentlich an unserer Erfolgserie zu Beginn der Rückrunde 2009/10 beteiligt waren und dass Björn Kopplin und Chong Tese in dieser Saison große Verstärkungen für uns sind. Darüber hinaus sind wir sehr zuversichtlich, dass Spieler wie Andreas Luthe, Marc Rzatkowski oder Kevin Vogt eine durchaus vielversprechende Perspektive beim VfL haben. Die eigenen Talente zu fördern, war mir von Beginn meiner Arbeit hier beim VfL sehr wichtig.

18:48: Im Sommer 2009 war der Transfer mit Etien Velikonja schon fast perfekt. Im Januar 2010 wurde der Brasilianer Johnny schon als Neuzugang gemeldet. Letztendlich verzichtete der VfL auf beide Transfers. Wie kam es zu dieser Entwicklung und von welchen Prinzipien hat sich der VfL dabei leiten lassen?

TE: Die beiden Personalien sollte man unterschiedlich bewerten. Es ist allerdings richtig, dass wir an beiden Spielern Interesse hatten und dass letztlich eine Preistreiberei einen Transfer verhindert hat. Bei Velikonja gab es eine komplizierte Vertragssituation, bei der der Berater des Spielers den Preis mitbestimmen konnte. Das führte dazu, dass Zahlen abgerufen wurden, bei denen wir den Eindruck hatten, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht mehr. Bei Johnny waren wir uns eigentlich mit allen Parteien einig, doch der an uns gesandte Transfervertrag wich von dem ab, was wir vorher mündlich und schriftlich vereinbart hatten. Daraufhin haben wir den Verantwortlichen eine Frist gesetzt und als die verstrichen war, war für uns das Thema erledigt.

18:48: Werden Sie diese Linie auch weiterhin fortfahren?

TE: Natürlich. Zum einen sollte immer das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, zum anderen lehnen wir ein Geschäftsgebaren ab, bei dem wir den Eindruck haben, Spieler werden wie Vieh behandelt. Doch das sind natürlich nicht die einzigen Prinzipien.

18:48: Wie sehen die weiteren Prinzipien aus?

TE: Vom ersten Tag als Sportvorstand an habe ich immer wieder betont, dass es mein Ziel ist, die Mannschaft Schritt für Schritt zu verjüngen und eigene Nachwuchsleute einzubinden. Natürlich ist das nur dann möglich, wenn man über eine erstklassige Jugendarbeit verfügt, die Talente so entwickelt, dass sie der Profi-Mannschaft weiterhelfen. In den vergangenen Jahren haben wir allerdings unsere Nachwuchsabteilung ständig sowohl personell als auch infrastrukturell optimiert. Die ersten Früchte dieser Entwicklung konnten wir jetzt ernten. Immerhin haben wir seit Sommer 2009 mit Matthias Ostrzolek insgesamt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Bundesliga-Mannschaft hochgezogen.

Darüber hinaus achten wir selbstverständlich darauf, dass unsere Spieler die Attribute verinnerlichen und repräsentieren, die diesen Verein auszeichnen. Neben der Forderung, technisch und taktisch auf hohem Niveau Fußball zu spielen, erwarten wir von ihnen, dass sie leidenschaftlich und kampfbetont zu Werke gehen. Im Ruhrgebiet wird Fußball nun einmal nicht nur gespielt, sondern gelebt. Gute Fußballer werden respektiert, Malocher jedoch verehrt. Sich mit diesen Werten zu identifizieren, fällt Spielern, die in der Jugend zu uns gekommen sind, natürlich einfacher. Nicht zuletzt deshalb ist es sicherlich ein Vorteil, dass wir aktuell zwölf Profis in unserem Kader haben, die schon im Nachwuchsbereich für uns tätig waren. Aber auch ein Philipp Bönig oder ein Chong Tese verkörpern das, was die Fans im rewirpowerSTADION sehen wollen. Diese Typen zu finden ist nicht einfach, aber es ist ein lohnendes Ziel.

18:48: Bereits im Sommer wollte der VfL einige Spieler loswerden, fand jedoch keinen zahlungswilligen Abnehmer. Jetzt sollen in der schwierigen Winter-Transferperiode vier bis sechs Spieler gehen, deren Marktwerte sich nicht gesteigert haben dürften. Wie schätzten Sie die Marktlage ein und welcher Spielraum könnte der VfL dabei für Verstärkungen bekommen?

TE: Auch an dieser Stelle sollten wir differenzieren. Erst einmal haben wir im Vorstand zusammen mit unserem Cheftrainer entschieden, dass wir in der Winterpause Veränderungen im Kader vornehmen werden. Spieler, die sich nicht zu 100 Prozent mit dem Verein und seinen Zielen identifizieren, werden keine Zukunft in dieser Mannschaft haben. Wer also die richtige Mentalität mitbringt, der hat nichts zu befürchten.

Natürlich sind wir daran interessiert, diese Veränderungen in erster Linie durch Transfers zu realisieren. Das ist nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen und angesichts des Zuschauerschnitts, der sich aktuell unter den Erwartungen bewegt, dringend notwendig. Sollte dies jedoch nicht gelingen, gibt es auch noch andere Mittel und Wege, die einem Verein zur Verfügung stehen.

Wie die Marktlage einzuschätzen ist, ist momentan schwer zu sagen. Im Sommer war es auf dem Transfermarkt sehr ruhig. Möglicherweise könnte sich jetzt mehr tun. Und wenn Vereine wie der FC Bayern München oder andere Topclubs Bewegung in den Markt bringen, dann setzt ein Domino-Effekt ein, der nahezu alle Vereine tangiert. Wichtig wird sein, Geduld zu haben und sich nicht verrückt machen zu lassen. Zudem gibt es für den einen oder anderen Spieler einen internationalen Markt in den Ländern, in denen die Spieler schon mal tätig waren. Dies zeigt das Beispiel Maric.

18:48: Wie sieht es mit Christian Fuchs und Stanislav Sestak aus, die ja nur ausgeliehen sind?

TE: Es gibt keinen neuen Stand. Die Mainzer hatten zwar Interesse geäußert, eine vertraglich vereinbarte Kaufoption früher zu ziehen, weil wir jedoch mit dem Preis nicht runtergegangen sind, wurden die Gespräche nicht zum Abschluss geführt.

18:48: Wen sehen Sie im aktuellen Kader noch als Leitwolf und als Leistungsträger?

TE: Auch wenn wir in der Tabelle noch nicht dort stehen, wo wir uns selbst sehen und was dem Leistungsvermögen der Mannschaft entspricht, gab es zuletzt durchaus Spieler, die bis auf wenige Ausnahmen ihre Leistung gebracht haben. Ich denke da in erster Linie an Christoph Dabrowski, der als Kapitän immer vorneweg marschiert und seine Teamkollegen pausenlos antreibt. Slawo Freier ist zwar kein Lautsprecher, doch auch er geht auf dem Platz stets mit gutem Beispiel voran. Nicht zu vergessen: Chong Tese ist unbestritten ein Leistungsträger für uns.

Auf der anderen Seite ist es sicherlich auffällig, dass noch mehr Spieler Verantwortung für das große Ganze übernehmen sollten. In diesem Zusammenhang setzte ich große Erwartungen in Philipp Bönig, der als Typ in der Kabine unheimlich wichtig ist, der Mannschaft durch seine Verletzung jedoch in den vergangenen Wochen nicht auf dem Rasen helfen konnte. Sollten er, Dabro und Slawo in der Rückrunde in ihrem Selbstverständnis Mitstreiter finden, werden wir wieder einen Fußball im Stadion sehen, mit dem wir uns identifizieren können.

18:48: Welcher junge Spieler hat das Zeug zum Stammspieler?

TE: Marc Rzatkowski und Kevin Vogt sind aktuell sicherlich am nächsten dran. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Andreas Luthe gerade einmal 23 und Björn Kopplin 21 Jahre alt ist. Beide sind momentan sicherlich Stammspieler.

18:48: Und wer hat in dieser Saison besonders enttäuscht?

TE: Enttäuscht hat mich in erster Linie, dass die Mannschaft viel zu selten als echte Gemeinschaft aufgetreten ist. Und uns ist es nicht gelungen, konstant gute Leistungen zu bringen. Die Schwankungen waren zu groß.

18:48: Mimoun Azaouagh ist vor der Saison wegen mangelnder Einstellung in die zweite Mannschaft verbannt worden. Jetzt wurde er begnadigt. Warum?

TE: Mimoun Azaouagh hat in der Sommerpause nicht nur via Medien verkündet, dass das Kapitel VfL Bochum für ihn beendet ist. Daraufhin haben wir ihn nicht mehr als Teil der Profimannschaft gesehen. In der Regionalligamannschaft hingegen hat er sich sehr gut eingebracht und macht mittlerweile einen ganz anderen Eindruck auf uns. Dieser Anschein hat sich in den Gesprächen, die Friedhelm Funkel und ich in den letzten Tagen mit ihm geführt haben, bestätigt. Aza hatte im Sommer einen absoluten Tiefpunkt, ist im letzen halben Jahr aber wieder aufgestanden und hat auch mit seinem Engagement bei der U23 gezeigt, dass er wieder bereit ist, für den VfL alles zu geben.

18:48: Unter Ihnen gab es beim VfL fünf verschiedene Trainer. Keiner war wirklich erfolgreich. Was liegt hier im Argen?

TE: In meiner Amtszeit wurden zwei Cheftrainer verpflichtet: Heiko Herrlich und Friedhelm Funkel. Die Gründe für die Verpflichtung von Heiko Herrlich habe ich schon oft genannt: Er verkörperte einen motivierten und unverbrauchten Trainer mit viel Fußballfachwissen und motivierendem Elan, der die Verjüngung der Mannschaft mit deutschen Talenten vorantreiben wollte. Die acht Spiele ohne Niederlage im Winter 2009/10 schienen uns in unserer Annahme zu bestätigen, es folgte jedoch eine Misserfolgsserie, die nicht nur zum Abstieg führte, sondern auch noch einmal aufzeigte, was einen kompletten Trainer ausmacht. Nur der richtige Mix aus fachlicher Kompetenz und guter Menschenführung führt zum Erfolg. Nur wenn ein Trainer Empathie und Stressresistenz besitzt, wird die Mannschaft ihm folgen. Dass Friedhelm Funkel diese Balance beherrscht, hat er schon oft bewiesen. Er kann Mannschaften formen und entwickeln. Er versteht es, mit Druck umzugehen und dabei immer authentisch zu bleiben. Dabei scheut er keine Konfrontation mit den Spielern, ist hart in der Sache, aber immer fair im Umgang. So ist es ihm fünfmal gelungen, eine Mannschaft aus der 2. Liga in die Bundesliga zu führen. Und weil er darüber hinaus den eingeschlagenen Weg des Vereins mitträgt – und zwar verstärkt auf junge, im Idealfall deutschsprachige Spieler zu setzen – ist er jetzt genau der richtige Trainer für den VfL.

18:48: Gibt es noch Kontakt zu Heiko Herrlich? Was macht er im Moment?

TE: Es gibt keinen direkten Kontakt, daher weiß ich nicht, was er aktuell macht.


Teil 2 folgt am 26.12.2010

Bild: Thomas Ernst im Gespräch mit Marcus vom Blog 18:48

Montag, 20. Dezember 2010

Und plötzlich scheint alles wieder gut zu sein

So schnell ändern sich die Zeiten. Vor zwei Monaten lag beim VfL alles in Scherben. Die Mitgliederversammlung bot ein ebenso desaströses Bild wie die Mannschaft auf dem Platz. Der VfL hoffnungslos über dem Abgrund. Und jetzt, kurz vor Weihnachten, scheint alles in glückseliger Harmonie zu schwelgen. Vier Siege in Folge, eine Mitgliederversammlung in Rekordzeit und Abstimmungsergebnisse von 99%.

Unter der Woche rotierte die Personalabteilung des VfL gewaltig. Milos Maric wurde nach Belgien transferiert, Mergim Mavraj und Marc Pfertzel in die zweite Mannschaft degradiert. Von dort findet Mimoun Azaouagh wieder den Weg zurück in die erste Mannschaft und weitere Aktivitäten in der Winterpause sind nicht ausgeschlossen. Ein Rechtsverteidiger soll her und sollten sich die Bolton Wanderes (7. der 1. Liga) oder Leicester City (16. der 2. Liga) tatsächlich dazu durchringen Zlatko Dedic zu verpflichten, könnte auch offensiv noch nachgerüstet werden. In Bochum spricht man wieder vom Aufstieg. Fast schon Kölner Verhältnisse, nach den ersten Sonnenschein gleich schon den Frühling auszurufen.

Zur heutigen Mitgliederversammlung kamen knapp 500 Mitglieder ins Bochumer Schauspielhaus und konnten bei genauem hinhören und -sehen einiges feststellen:

1.) Finanz-Vorstand Ansgar Schwenken begrüßte die Mitglieder und fand darin sehr massive Worte zur letzten Mitgliederversammlung und dem Umgang der Mitglieder mit dem damaligen Aufsichtsrat. Da bleiben einigen Gästen die Worte im Halse stecken und Ehrfurcht kehrte ein. Schwenken hat damit gezeigt, dass er der starke Mann beim VfL ist und dass er eine große Hausmacht inne hat. Thomas Ernst ist klare Nummer zwei im Vorstand, noch...

2.) Günter Bernhörster, Justiziar und Mitglied des Wahlausschusses, wurde als Versammlungsleiter bestimmt. Ich (und ohrenscheinlich auch einige andere) empfanden es als anmaßend, dass er "im Namen des VfL" auch nochmal seinen Senf zur letzten Versammlung und zu seiner Sicht der Dinge abgab. Vollkommen daneben sein Versuch locker daherzukommen und sich über den Vornamen von Ernst-Otto Stüber lustig zu machen und schlichtweg ungehörig die Art und Weise Fritz Hüttebräucker, den Vorsitzenden des Gesamtvereines des VfL Bochum 1848 e.V., der eine Satzungsfrage hatte, abzuwatschen. Zumal zuvor noch über Respekt lamentiert wurde. Wenn es beim VfL alles auf die Probe gestellt werden soll, dann bitte auch solche Personalien.

3.) Axel Treffner und Prof. Dr. Klaus-Peter Schütt, beide nicht-zurückgetretene Aufsichtsrat-Restmitglieder, wirkten bereits vor dem Versammlungsbeginn auf einsamen Posten. Die beiden werden bis zur nächsten ordentliche Mitgliederversammlung durchgeschleppt werden, dann dürften sie von der Bühne verschwinden. Ihr Stellenwert im Verein spiegelt sich im obigen Bild wieder.

4.) Werner Altegoer wurde mit dieser Mitgliederversammlung rehabilitiert. Sowohl die klare Entlastung des Aufsichtsrates (bei nur 2 Gegenstimmen und 9 Enthaltungen) als auch der lange und laute Applaus dürfte die Wunden ein Stück weit heilen. Dem langjährigen starken Mann beim VfL wird nach seinem unglücklichen Abgang doch noch der Respekt gezollt, den er sich wahrlich verdient hat.

5.) Ernst-Otto Stüber richtete Worte an die Mitglieder, die zwar die wichtigen Themen (Kommunikation, Gemeinsamkeit, Leidenschaft,...) ansprach, aber auch den Flair einer SPD-Landesparteitags-Grundsatzrede versprühte. Der neue Aufsichtsratvorsitzende hat mit Frank Goosen, Hans-Peter Villis und Bernd Wilmert kompetente Kollegen an der Seite, die dem VfL gut tun. Es ist zu hoffen, dass sich das Team schnell findet, gut mit dem Vorstand und den Mitarbeitern zusammenarbeitet und die richtige Struktur und Aufgabenverteilung findet. Bei nur 2 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen wurde das Trio gewählt. Ein großer Vertrauensvorschuss (auch mangels Alterntiven), möge er gerechtfertigt sein.

Ich hoffe, dass die eingeleiteten Veränderungen greifen und der Verein wieder zusammenwächst. Auf dem Platz und mit den Fans. Die Chance ist da und muss von allen genutzt werden. Gemeinsam.

Bericht auf vfl-bochum de: hier
Fantastic-Supporters: hier

Samstag, 18. Dezember 2010

Zeit der Veränderungen

Nach dem letzten Hinrundenspiel steht beim VfL jetzt eine Zeit der Veränderungen an.
Am Montag wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Aufsichtsrat neu zusammengestellt und die Ära Werner Altegoer offiziell beendet. Bereits begonnen hat die Kaderbereinigungsaktion. Doch der Reihe nach:

Mit einem 1:0 beim MSV Duisburg beendet der VfL die Hinrunde und setzt seine Siegesserie fort. In einem weitgehend ausgeglichenen Spiel vollendete Christoph Dabrowski einen Konter. Der mustergültige Pass kam von Tese. Letzte Woche wurde eine solche Chance durch Saglik/Johansson noch vergeben. Das Spiel des VfL glich in vielen Bereichen den letzten Auftritten, wobei die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff diesmal nicht so groß wirkte. Die drei Offensivkräfte Dedic, Saglik und Tese hatten wohl die Marschroute, auch Spielaufbauarbeit zu leisten. Dem kam besonders Saglik nach, der einen engagierten Auftritt ablegte. Während seine Körpersprache gepaart mit seinem Einsatz die Mitspieler und die Anhänger mitzureißen vermochte, wirkt Tese mehr und mehr wie ein Fremdkörper. Fixiert auf Einzelaktionen und oft am lamentieren läuft das Spiel mehr und mehr an ihm vorbei. Zumindest ein Wutausbruch von Funkel wurde bildlich festgehalten. Der Trainer muss die Winterpause nutzen, um Tese wieder in die Teamspur zu bringen. Während im Mittelfeld Johnansson und Dabrwoski wieder einen soliden und guten Job ablieferte, ist bei Vogt spürbar, dass er noch Zeit braucht. Gleiches gilt für Ostrzolek, der überraschend in der Startelf stand und seine Aufgabe gut erledigte. Auffällig besonders in der Anfangsphase war Anthar Yahia, bei dem man zeitweilig vermutete, er habe eine Wette am Laufen... - Ein großes Lob geht an Andreas Luthe, der wiederholt einen starken Auftritt ablegte und dem VfL die Punkte rettete.

In der Halbzeitpause machte Thomas Ernst im Sky-Interview noch einmal deutlich, dass es in der Winterpause zu Veränderungen im Kader kommen soll. Kurz zuvor wurde bekannt, dass Milos Maric ab sofort einen neuen Arbeitgeber hat. Der 10er wird sein Können nun beim Lierser SK unter Beweis stellen. Auf konkrete Namen wollte sich Ernst nicht festlegen, auf Federico angesprochen räumte er ein, dass man ihn noch nicht abgeschrieben habe und darauf hoffe, dass er seine Stärke zurückfindet. Auf der Liste der abzugebenden Spieler dürfte in jedem Falle Mavraj stehen, auch eine Trennung von Grote, Pfertzel und Dedic ist denkbar und hängt möglicherweise davon ab, ob für bestimmte Positionen Ersatz geholt werden kann. Die Rückkehr von Bönig in den Kader kann für Entspannung sorgen, auch die Begnadigung von Azaouagh ist denkbar. Auf dem Transfermarkt könnte es diesmal auch spannend werden. Mannschaften wie Schalke wollen ihren Kader ebenfalls bereinigen. Ein Spieler wie Alexander Baumjohann könnte plötzlich interessant werden.

Am Montag folgt Teil II der diesjährigen Mitgliederversammlung. Ernst Otto Stüber, Bernd Wilmert und Hans-Peter Villis stehen im Block zu Wahl und dürften mangels Alternativen auch gewählt werden. Im Vorfeld gaben sie sich transparent und standen Rede und Antwort. Sie sagten zwar nicht viel überraschendes, aber die Art und Weise ihres Auftretens lässt vermuten, dass sie gemeinsam mit Frank Goosen, der bereits in den Aufsichtsrat gewählt wurde, alles im Verein hinterfragen auf die Probe stellen. Ob Thomas Ernst, wie von einigen lautstark gefordert, dieser Probe zum Opfer fallen wird, bleibt abzuwarten. Ich habe eher das Gefühl, dass die Vorstands-Struktur geändert und eine dritte Person hinzukommen wird. Damit könnte der Bereich Sport vom Bereich Marketing/Kommunikation gelöst werden und beiden Aufgaben gestärkt werden. Der Aufsichtsrat hat zudem die Aufgabe, weitere Personen für das Gremium zu gewinnen. Durch die Wahl von Wilmert und Villis werden auch ihre Plätze als kooptierte AR-Mitglieder frei. Bis zur ordentlichen Mitgliederversammlung 2012 sollten sich die Strukturen hoffentlich gefestigt haben und die wichtigen Baustellen bearbeitet werden. Dazu gehört auch, die Kommunikation nd das Verhältnis zu den Fans weiter zu verbessern. Besonders dies wurde auch beim Stammtisch der Initiative WirsindVfL mit Ernst Otto Stüber in der vergangenen Woche diskutiert. In der witterungsbedingten kleinen Runde gab sich der ehemalige Bochumer Oberbürgermeister recht volkstümlich, machte aber auch deutlich, dass er sich noch in die bevorstehenden Aufgaben reinarbeiten müsse. Die mangelnde Erfahrung und sportliche Kompetent wurde dann auch folgerichtig hinterfragt. Stüber sah dies nicht als Problem an und hinterlies damit unfreiwillig die Sorge, dass im neuen Aufsichtsrat jemand fehlt, der sportliche Konzepte und Maßnahmen fachkundig hinterfragen und bewerten kann.

Hoffentlich wird in der momentanen Phase nicht vergessen, die zwingend notwendigen mittelfristigen und langfristigen Veränderungen anzugehen. Es ist zu wünschen, dass die Initiative WirsindVfL sich auch weiterhin so konstruktiv einbringen kann und der Verein die Chance der Einbeziehung ihrer Fans nutzt Die Mitglieder des VfL sollten am Montag auch dem scheidenden Aufsichtsrat und besonders Werner Altegoer die Friedenspfeife anbieten. Eine Entlastung des alten Aufsichtsrates mit einer überwältigen Mehrheit sollte für alle VfLer eine Frage der Ehre sein.
(Bild: vfl-bochum.de)

Update: Meldung im reviersport

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Zebrastreifen überqueren

Der VfL hat sich ein Jahresfinalspiel erarbeitet. Nach drei, nicht gerade überzeugenden, Siegen besteht nun die Möglichkeit, den Abstand auf die Spitzenplätze in Liga 2 auf vier oder fünf Punkte (bestenfalls sogar drei Punkte) zu verkürzen und mit 1860, Cottbus, Frankfurt, Fürth und Duisburg fast gleich zu ziehen. Das gibt dem Derby eine besondere Brisanz. So sind alle Stehplatztickets für den Gästebereich bereits ausverkauft.

Bochum wird in diesem Spiel spielerisch und taktisch mehr zeigen müssen, als bei seinen letzten Auswärtsauftritten. Über 90 Minuten muss konzentriert und hart am Mann gearbeitet werden. Die Abwehr darf nicht so viel zulassen und der Sturm darf die Chancen nicht so leichtfertig vergeben wie zuletzt. Es wird ein Spiel werden, in dem beide Seiten 100% geben. Für Duisburg geht es nach zuletzt nur einem Sieg in fünf Spielen (2:0 bei Hertha) ebenso darum, den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren.

In Bochums Aufstellung wird man neben Concha auch Freier weiterhin vermissen. Er hat seine Grippe nicht auskuriert. Ob Funkel wieder mit drei Spitzen auflaufen lässt, halte ich für fraglich. Vielleicht zieht er Saglik etwas zurück und versucht mit ihm die Defizite im offensiven Mittelfeld ein Stück weit zu beheben. Die Abwehr dürfte, trotz der Schwächen von Pfertzel, unverändert bleiben und auch Dabrowksi und Johansson werden von Beginn an dabei sein. Die anderen Positionen sind offen. Rzatkowski und Vogt sind naheliegende Optionen. Aber auch Toski und evtl. auch Grote können sich, je nach System, Chancen ausrechnen.

Die Bilanz gegen den MSV ist insgesamt leicht positiv (15-14-13). In Meiderich gewann der VfL fünf Mal, bei jeweils acht Remis und Niederlagen. Unvergessen sicherlich das 7:6 im Elfmeterschießen (3. Runde DFB-Pokal) 1999. In der letzten gemeinsamen Liga-Saison 2007/08 gewann Bochum in Duisburg mit 2:0 (Imhof, Bechmann) und erreichte zu Hause ein 1:1 (Sestak). Beide Spiele besuchten jeweils 24.300 Zuschauer.

Mein Tipp: MSV Duisburg - VfL Bochum 2:1

Dienstag, 14. Dezember 2010

Steigerung ja - aber es reicht nicht

Nun gehöre ich nicht zu denjenigen, die alles schlecht reden, die Nadel im Heuhaufen suchen oder verzweifelt versuchen Belege für eigene These oder ein eigene Vorurteil zu finden. - Ich kann aber in keinem Fall die euphorischen Bewertungen des reviersport nachvollziehen, die z.B. Tese eine 1 und Saglik eine 2- gibt. (Vergleich Kicker: Tese 3, Saglik 3,5 / Vergleich 18:48: Tese 3,5 / Saglik 4).

Ich habe mich über den dritten Sieg in Folge gefreut uns bereits vor dem Spieltag so lange am Kicker-Tabellenrechner rumgemacht, bis der VfL nach dem 19. Spieltag durch ein 2:0 gegen Aue an der Tabellenspitze steht. Eine Spielerei, die ich nach dem Sieg von Augsburg jedoch modifizieren musste. Es wird wohl erst am 21. Spieltag und dem Sieg in Augsburg so sein...

Der Sieg gegen Osnabrück hat nach meiner Einschätzung wieder sehr deutlich gemacht, dass der VfL enorme Probleme hat, ein vernünftiges Angriffsspiel aufzuziehen. Man kann es zwar jetzt positiv mit Geduld oder Wille umschreiben, für mich war es aber vor allem auch ein verzweifelter Auftritt gegen einen sehr schlechten Gegner, der ja bekanntermaßen über 60 Minuten in Unterzahl agieren musste. Wie schon gegen Paderborn fiel dem Jungs auf dem Platz nicht viel Originelles ein. Keine berauschende Einzelaktion. Kein Überraschungsmoment. Keine Kombinationen oder Stafetten. Geduldiges hin- und herspielen und dann der lange Pass auf eine der Spitzen. - Das ist für mich ein Zeichen von mangelnder Qualität, vornehmlich spielerischer Qualität, nur zum Teil von individueller Qualität. Es fehlen kreative Köpfe. Slavo Freier hat zumindest immer mal wieder versucht von außen in die Mitte durchzudringen, hat damit Freiräume außen geschaffen und die Bälle dann auch versucht dorthin zu spielen. Am Sonntag schienen einzig Kopplin (!) und Rzatkowski dieses zu versuchen. Zwischen dem Mittelfeld und dem Sturm klafften räumliche und geistige Lücken. Da muss etwas verändert werden.

Maric und Federico haben nicht die Leistung gezeigt, die auf der offensiven Mittelfeld-Position nötig ist, um die Stürmer in Szene zu setzen. Ob Azaouagh noch einmal die Chance bekommt ist genau so fraglich, wie die Frage ob er diese Chance nutzen kann. Hier sehe ich momentan die allergrößte Baustelle beim VfL.

Auffällig ist auch, dass der VfL bei mehreren Spielen, vor allem auswärts, nicht in der Lage war, sich den Angriffen des Gegners intelligent entgegenzustellen. Der Einsatz stimmte, aber nicht mehr. Wenige Konterchancen wurden eingeleitete, wenige davon zu Ende gespielt und (ich glaube) keine zum Torerfolg gebracht. In Düsseldorf, Cottbus und Berlin-Köpenick war das zuletzt zu beobachten. In Cottbus wurde die Führung verspielt, gegen Düsseldorf und Union nur mit viel Glück gewonnen. Aber auch das greift in das oben beschriebene Problem hinein. Beim VfL ist keine spielerische Linie, kein System und keine einstudierten Spielzüge zu erkennen. Damit kann man zwangsläufig nicht oben mitspielen.

Der Konter in der Nachspielzeit gegen Osnabrück fasst das Geschriebene in Bildern zusammen.
(Bild: vfl-bochum.de)

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Mit allen Mitteln: Die Zaubertasse des VfL Osnabrück

Die Schlagzeilen der letzten Tage rund um en VfL Bochum gehörten der schweren Verletzung von Matias Concha durch das überharte Einsteigen des Unioner Younga-Mouhani. Die Saison dürfte für den 30-jährigen damit gelaufen. Ob er es danach noch einmal in die Stammelf schafft ist fraglich. Bereits im letzten Sommer stand er vor seinem Abschied aus dem Ruhrgebiet. Viele Genesungswünsche erreichten Concha und auch der Übeltäter möchte sich noch einmal persönlich beim ihm entschuldigen und Gute Besserung wünschen.

Für die kommenden Spiele stellt sich somit die Frage nach einem Ersatz auf der Abwehrposition. Kurzfristig dürfte Marc Pfertzel in die Startformation rutschen. Der Franzose hat allerdings keinen Hehl daraus gemacht, den Verein im Winter verlassen zu wollen und der VfL scheint sich mit diesem Gedanken anfreunden zu können. Für die Rückrunde hofft man auf das Comeback von Philipp Bönig. Ersatzweise könnten auch Fabian oder Grote nachrücken, wobei auch Grote eine Abschiedskandidat ist.

Durch die Genesung von Slavo Freier hat Trainer Funkel im Mittelfeld nun die Qual der Wahl. Sowohl Rzatkowski als auch Vogt und Johansson haben ordentlich gespielt. Dabrowski ist gesetzt. Vermutlich wird Johansson zunächst einmal auf der Bank Platz nehmen müssen. Im Sturm brodelt es ein wenig. Tese wirkte zuletzt nicht nur unglücklich sondern sogar frustriert. Erste Reibereien mit Mitspielern wegen seiner Eigensinnigkeit wurden beobachtet. Da helfen nur Tore. Diese fehlen auch Saglik, so dass er sich mit Dedic am Sonntag wohl abwechseln wird, wobei Saglik in der Startelf stehen dürfte.
Update: Da Slayo Freier weiter kränkelt und ausfällt, dürften die gleichen Vier im Mittelfeld auflaufen wie in Berlin. Als mögliche Abwehralternative nennt Funkel auch Nachwuchsspieler Matthias Ostrzolek.

Osnabrück ist natürlich nicht zu unterschätzen und wird, ähnlich wie Paderborn und Berlin, versuchen, so lange wie möglich dagegen zu halten. Kämpfen bis zum Umfallen und auf die Verwertung einer Torchance hoffen. Das Bochum anfällig ist, haben sie oft genug unter Beweis gestellt. Dennoch ist der heimische VfL klarer Favorit in diesem Spiel. Bisher gelang den Niedersachsen nur ein Auswärtspunkt (2:2 in Augsburg) in sieben Spielen. Da dürfte am Sonntag auch die Zaubertasse nicht helfen...

Die beiden VfL trafen bisher nur in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga 1970/71 aufeinander. Bochum gewann vor 28.000 Zuschauern mit 4:2 in Osnabrück und zu Hause vor 30.000 Zuschauern mit 3:1. Walitza (3), Hartl (2), Fern und Krämer waren die Torschützen. Bochum legte damit den Grundstein für den erstmaligen Bundesligaaufstieg.

Mein Tipp: VfL Bochum 1848 - VfL Osnabrück 2:0
(Bild: www.vfl.de)

Dienstag, 7. Dezember 2010

Ein unmoralisches Angebot

Folgende Mail erreichte mich:

Hallo,
ich habe eine Feuerwerk- und Pyrotechnik-Homepage.
Bei meiner Recherche habe ich dabei auch Ihre Homepage im Internet gefunden. Hätten Sie Interesse an einer Zusammenarbeit?
Wenn Sie das Wort -Bengalos- in Ihrem Blog-Beitrag http://achtzehnachtundvierzig.blogspot.com/2010/12/das-ende-eines-heien-wochenendes.html mit meiner Hompepage verlinken könnten, zahlen ich Ihnen unkompliziert 20,- EUR.
Hätten Sie daran Interesse?
Wenn ja, schicke ich Ihnen noch die genauen Daten meiner Website mit weiteren Informationen zu.
Ich freue mich auf Ihr Feedback.
Schönen Gruß
Frank P...

Montag, 6. Dezember 2010

Teure Punkte

Eine sehr gute erste Halbzeit und eine Torwartschwäche bei Union Berlin waren Grundlage für den 1:0 Sieg des VfL. An der Alten Försterei kam der VfL in der zweiten Halbzeit jedoch gehörig ins Schwimmen und musste am Ende sehr glücklich über den Sieg sein. Die wenigen Konterchancen wurden fahrlässig ausgelassen, den Berliner viel zu viel gestattet. Der Einsatz stimmte über die 95 Minuten in der Hölle von Köpenick, in der zweiten Hälfte war man aber wieder zu oft zu weit vom Gegner entfernt. So hatte Berlin 26 Torchancen, der VfL 12. Auch die Zweikampfbilanz spricht deutlich gegen den VfL. Rzatkowski bot wieder eine gute Leistung, auch Johansson und Vogt spielten ordentlich. Blass blieben Saglik und Tese. Luthe rettete einige Male bravourös und war Matchwinner. Mann des Tages war jedoch unfreiwillig Matias Concha. Dem 30-jährigen Schweden, der sich zuletzt wieder ins Team gespielt hat, wurde von Younga augenscheinlich alles gebrochen, was zwischen Knie und Fuß ist. Youngas übermotivierter Einsatz mündete bereits zuvor in einer Tätlichkeit. Gute Besserung Matias!

Das Ende eines heißen Wochenendes

Da haben sich für den VfL am Freitag, Samstag, Sonntag ein paar Türchen geöffnet. Mit Duisburg, Cottbus, Hertha und Aue haben Aufstiegsplatzkonkurrenten mächtig Federn gelassen. Der Abstand nach oben könnte durch einen Sieg heute Abend in Berlin auf 7 Punkte schmelzen und in den beiden verbleibenden Hinrundenspieltagen kommt es noch zu direkten Duellen der oberen Teams (Hertha-Aue, Frankfurt-Augsburg, Augsburg-Hertha, Aue-Frankfurt), zudem spielt der VfL nach der Heimaufgabe gegen Osnabrück noch in Duisburg.
Man darf beim VfL also träumen, zumindest bis heute Abend 22:00 Uhr...

Ansonsten war das Wochenende heiß. Die Fraktion "Bengalos legalisieren - Fußballfans sind keine Verbrecher - Gegen alle Stadionverbote" war wieder unterwegs. Besonders die Hamburger, Münchner und Kölner hatten ihren Auftritt. - Dafür haben sie auch alle verloren....
(Bild: Leverkusen-Köln; Gästeblock vor dem Anpfiff)

Freitag, 3. Dezember 2010

Rückrundenterminierungen

Samstag, 15.01.2011, 13:00 Uhr
1860 München - VfL Bochum

Montag, 24.01.2011, 20:15 Uhr
VfL Bochum - Erzgebirge Aue

Montag, 31.01.2011, 20:15 Uhr
FC Augsburg - VfL Bochum

Sonntag, 06.2.2011, 13:30 Uhr
VfL Bochum - RW Oberhausen

Sonntag, 13.2.2011, 13:30 Uhr
Arminia Bielefeld - VfL Bochum

Eisig Union

Ganz so kalt wie bei den Spielen der Europa League unter der Woche dürfte es nicht werden, aber es ist leichter Schneefall für den Montag in Köpenick angekündigt.
Die wenigen VfL-Anhänger, die den Weg zum zweiten Montagsspiel in Berlin binnen weniger Wochen antreten werden ebenso sorgenvoll auf die Verkehrsverhältnisse wie auf ihren VfL schauen. Doch Besserung scheint in beiden Fällen in Sicht zu sein.

Trainer Funkel wird wenig Änderungsbedarf nach dem Paderborn-Spiel haben. Einzig die Frage ob Saglik oder Dedic könnte zur Disposition stehen. Die unter der Woche leicht angeschlagenen Tese und Freier sollten bis Montag wieder fit und einsatzfähig sein.

Personelle Hiobsbotschaft dagegen bei Union. Torwart Marcel Höttecke zog sich im letzten Spiel einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu und fällt damit den Rest des Jahres aus. Somit kehrt Jan Glinker in die Startelf zurück, der seinen Stammplatz nach dem 10. Spieltag an Höttecke verloren hatte. Auch Ersatzkeeper Christoph Haker ist verletzt, so dass Torwart Nummer vier auf der Bank sitzen wird. Daneben fallen auch Kapitän Torsten Mattuschka, Ahmed Madouni, Santi Kolk, Björn Brunnemann und Michael Parensen verletzt sowie Christoph Menz gelb-gesperrt aus.

Der VfL sollte aus dem Heimspiel gegen Paderborn das angeblich fehlende Selbstvertrauen gewonnen haben. Auch das frische Blut im Team scheint einiges freigesetzt zu haben. So darf man hoffen, dass gegen einen personell schwächer bestückten Gegner die notwendige Leidenschaft abgerufen werden kann, um dieses Spiel zu gewinnen.

Die Statistik lässt keine Interpretationen zu. Zweimal gewann Union zu Hause gegen den VfL mit 1:0. Leider nicht zu vergessen das Pokal-Viertelfinalspiel vor 10 Jahren, als Union in der 90. Minute das 1:0 erzielte, eine Runde später Gladbach ausschaltete und in Pokalfinale einzog. In der Saison 2001/2002 verlor der VfL am 7. Dezember. Union machte das aber am letzten Spieltag durch den legendären Sieg gegen Mainz aber wieder gut.

Mein Tipp: FC Union Berlin - VfL Bochum 0:2

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Früh übt sich

Am gestrigen Fiege-Fan-Abend im 8zehn48 stand das Thema Nachwuchs im Mittelpunkt. Nachwuchskoordinator Frank Heinemann, der sportliche Leiter Jürgen Heipertz, Cheftrainer Alexander Richter und Sport-Vorstand Thomas Ernst standen über zwei Stunden Rede und Antwort. Leider nutzen nur rund 40 Gäste die Gelegenheit sich über das Nachwuchskonzept des VfL zu informieren. Das ist besonders vor dem Hintergrund schade, dass bei den Fans oftmals die Ergebnisse der Nachwuchsarbeit hart kritisiert werden und eine Verstärkung der Jugendarbeit gefordert wird.

Die Vorstellung des Konzeptes, welches seit einem Jahr umgesetzt wird, war dann recht intensiv. Sie zeigte aber auch, wie und wo sich der VfL besonders engagiert und sich von den Nachbarvereinen absetzt. Nach Aussagen der Verantwortlichen führt dies bereits spürbar dazu, dass sich wieder mehr Nachwuchstalente mehr für den VfL interessieren. Besonders hervorgehoben wurde, zu Recht, die Unterstützung der jungen Spieler im schulischen Bereich. So wird sehr viel Wert und Engagement darauf gelegt, dass die schulischen Leistungen bei der intensiven sportlichen Ausbildung nicht leiden. Nachhilfeangebote und die Absicherung von Unterrichtsstunden beim Ausfall von regulären Schulstunden gehören zur engen Zusammenarbeit mit Partnerschulen hinzu.

Im Scouting sind acht Personen fest für den VfL in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs. Zudem gibt es noch auswärtige Honorarkräfte. Der Bereich wird vom Ex-VfL-Spieler Thomas Reis geleitet. Auch Ex-Torjäger Uwe Leifeld ist hier aktiv. Des Weiteren hat der VfL bisher drei Kooperationen mit Vereinen aus Weitmar, Sprockhövel und Essen. Diese Zusammenarbeit soll noch ergänzt werden. So gibt es interessierte Vereine aus Hordel, Hombruch und Xanten.

In das Nachwuchskonzept und die Umsetzung sind die Trainer der I. und II. Mannschaft intensiv eingebunden. In regelmäßigen Abständen bespricht man die Entwicklungen einzelner Spieler. Aktuelles Ergebnis ist die Einbindung von Matthias Ostrzolek ins Training bei Friedhelm Funkel.

Aufgeräumt werden konnte, zumindest bei den gestrigen Gästen, mit ein paar Legenden. So machten alle Nachwuchsverantwortlichen und Thomas Ernst klar, warum Gündogan trotz größter Bemühungen nicht zu halten war. Schlüsselperson dabei war Michael Oenning, der als A-Jugend-Trainer beim VfL noch Nürnberg wechselte und dem Gündogang und zwei weitere Spieler gefolgt sind.

Derzeit präsentieren sich bei den VfL-Profis zwölf Spieler, die zuvor in der VfL-Jugend gespielt haben. Die Nachwuchsteams spielen in den jeweils höchsten Ligen eine ordentliche Rolle. Und augenscheinlich geht momentan die Tendenz dahin, verstärkt auf Eigengewächse zu bauen. Das Nachwuchskonzept lässt vermuten, dass die Ausbildung beim VfL noch zielgerichteter dahin geht, noch mehr Eigengewächse an den Profibereich heranzuführen. Auch wenn Vogt, Rzatkowski, Ostrzolek und Jonas Ermes derzeit Momentaufnahmen sind, mag man daran glauben, dass diese Arbeit erfolgreich sein kann, wenn alle Beteiligten (incl. Profitrainer) dies auch wollen und entsprechend weiter arbeiten.

Bild: vfl-bochum.de

Bericht auf vfl-bochum.de