Dienstag, 27. Juli 2010

Baustellen

Der VfL hat derzeit Baustellen genug, die es einem schwer machen, sich auf die kommende Saison zu freuen. Zum einen sind die Kaderplanungen noch nicht abgeschlossen. Ein halbes Dutzend Spieler sollen den Verein verlassen (dürfen), aber keiner will so recht woanders unterkommen. Mehr als Gerüchte (Trabzonspor 3 Mio. für Sestak, Bari 3 Mio für Yahia) gibt es derzeit nicht. Wahrscheinlich ruht auch deshalb die Abteilung Einkauf beim VfL. Mit Stürmer Saglik vom VfL Wolfsburg sollte fast alles klar sein. Fehlt nur noch das nötige Kleingeld?

Auch sportlich gibt es noch keinen Hoffnungsschimmer. Alle Vorbereitungsspiele, incl. dem heutigen in Duisburg, waren schlecht. Zwar gab es keine Niederlage, aber es war alles maximal nur gefühltes Mittelmaß. So können wir froh sein, dass die Zahl der verkauften Dauerkarten und neuen Trikots nicht publik wird, dürften sie sich doch in niedrigen Regionen bewegen.

Am Wochenende ist Saisonauftakt. Wegen der Baustelle Ruhrstadion findet diese auf dem Gelände der Brauerei Fiege statt. Das Testspiel gegen den spanischen Club Getafe am Samstag um 16 Uhr im revirpower-Stadion sollte dann der Höhepunkt der Vorbereitung werden, bevor es am 1. Spieltag am Montagabend vor leerer Ostkurve gegen 1860 München geht. Mir graust davor, dass dies ein schwaches Spiel vor weniger als 10.000 Zuschauern wird.

Ich hoffe, die Bauarbeiten werden rechtzeitig abgeschlossen...

Altersvorsorge mit Mut zur Lücke

Am Donnerstag erscheint es. Das Kultobjekt schlechthin für jeden Fußballfan, welches angeblich auch von Fan-Frauen an verregneten Urlaubsabenden zur Hand genommen wird, wenn der eigentliche Besitzer wegen des Regens und einer 1:2 Niederlage seines Clubs in der ersten Pokalrunde, der man eben wegen des von der Frau organisierten Urlaubs nicht beiwohnen konnte, mit drei Liter Sangria und acht San Miguel intus schnarcht...

Dieses Jahr frage ich mich zum ersten Mal, welchen eigentlichen Wert das Blatt eigentlich hat. Der VfL Bochum beispielsweise hat noch ein halbes Dutzend offene Transferfragen. Kommt Saglik, gehen Yahia, Sestak, Dedic, Concha, Johansson oder Pfertzel? - Sicher, es gibt zu Saisonbeginn wieder die Jahr für Jahr größer werdende Ergänzungslieferung, aber was hilft mir das. Die Bewertungen der einzelnen Mannschaften können getrost in die Tonne gekloppt werden. (Außer beim 1.FC Köln, da ist egal wer auf dem Platz steht, die sind alle unaussprechlich mies). Raul bei den Königsblauen? Grafite, Dzeko, Misimovic nicht mehr beim kleinen VfL? Özil, Khedira und die anderen Helden? Und wer weiß, wer noch in Nordkorea, Moldawien, Island oder Herne entdeckt wird..? Letztendlich sind Mannschaftsbilder und Spielerdatenseite schneller schal als englisches Bier. Würde man im ganzen Heft die überholten passagen weißen, hätte man einen bemerkenswerten Lückentext. - Der einzige Wert dieses Heftes ist wohl nur noch, es zu haben, damit die Erben irgendwann noch was am Altpapier verdienen...

Montag, 26. Juli 2010

VfL-Fan-Club Bochum-Süd

Schuld ist mein Bruder. Der weilte mit seiner Schulklasse in Hattingen. Dort traf er einen Einheimischen, kam mit ihm ins Gespräch und erfuhr, dass er VfL Bochum Fan ist und Mitglied im Fan-Club Bochum-Süd. So wurde ich an Andreas Keim vermittelt, der mich kurze Zeit darauf in Leverkusen besuchte und mich mit wichtigen Dingen wir Aufkleber, Aufnähern und einer Schallplatte ausstatte. Da war ich natürlich schon Mitglied im einzigen mir bekannten VfL Bochum Fan-Club.
Im meinem zarten Alter von 13 Jahren war das natürlich großartig. Mit VfL Bochum-Kutte war ich später sogar in der Heim-Kurve des Ulrich-Haberland-Stadions in Leverkusen und hatte Kontakt zum 1. Fan-Club Bayer 04, den legendären Schwarzen Wölfen und Gründungsmitglied des gescheiterten Bayer-04-Fan-Clubs Die Kobras.

Irgendwann, nicht viel später, löste sich der Fan-Club auf, weil keiner mehr die Arbeit machen wollte. Ich erinnere mich noch an Frank Hannemann (?) und Wolfgang "Wolle" Schmidt, mit denen ich Kontakt hatte, mit Wolle sogar noch einige Jahre länger. Im Mai 1983 gab es nach dem letzten Saisonspiel (ein 6:0 gegen Nürnberg) eine große Feier, wo auch der Darmstadt 98 Fan-Club Rangers '80 Pfungstadt zu Besuch war. Mit den Sportfreunden (Frank Anton, Peter und Pia Partes und "Jackson") traf ich mich auch später noch auf den Sportplätzen dieser Welt. Manchmal denke ich, den einen oder anderen müsstest Du doch im Internetzeitalter oder im wahren Stadionleben mal wieder treffen. Ein paar Namen habe ich noch drauf Wolfgang Murin aus Stuttgart zum Beispiel. Aber bisher ist es Pustekuchen. Einmal habe ich einen Kameraden und KSC-Fan aus der Bundeswehrgrundausbildung ca. 15 Jahre später im Haus Frein getroffen. Aber das war es dann auch schon fast.

Aus späteren Bochumer Fan-Zeiten kenne ich noch Kai Brinkmann und Ralph (?) Lindemann, die ich lange Zeit immer wieder getroffen habe, Kai sogar bis heute noch im Zug von Köln nach Bochum.

So fing alles an. Mit dem VfL Fan-Club Bochum-Süd...

Samstag, 24. Juli 2010

Unerträgliche Unbesiegbarkeit

Mit dem 1:1 beim Wuppertaler SV bleibt der VfL in seinen Vorbereitungsspielen unbesiegt aber auch weiterhin vollkommen glanzlos. Der Sommerkick vor 1.400 Zuschauern am Zoo bot noch keine Gelegenheit zur Hoffnung. Während Bochums erster Pflichtspielgegner seinen Saisonauftakt souverän meisterte (Offenbacher Kickers - 1.FC Saarbrücken 2:0) muss der VfL in den verbleibenden Wochen noch einiges machen. - Freilich ist der Coach gerade erst dabei seine Formation zu finden, zumal die WM-Helden gerade erst wieder im Ruhrgebiet sind. Wahrscheinlich wurde im Training erst mal die konditionelle Basis geschaffen (heute keine Krämpfe) und spielerische und taktische Übungseinheiten folgen erst noch. Dennoch kann man von einem Aufstiegsaspiranten gegen ein zwei Klassen tiefer spielendes Team auch schon mal mehr erwarten. Auch individuelle Schwächen waren heute zu erkennen, für mich besonders bei Maric. - Ich muss gestehen, dass ich das Bochumer Tor verpasst habe, weil Junior auf Toilette musste und den Ausgleich verpasst habe, weil Junior heim zu Mama wollte. - Das war bestimmt ein Zeichen. Ich weiß nur nicht was für eines...

Donnerstag, 22. Juli 2010

Jörg Berger - Meine zwei Halbzeiten

Jörg Bergers Leben hätte fast nur wenige Monate gedauert. Seine Mutter hatte Fahrkarten für die "Wilhelm Gustloff", die Tausende von Flüchtlingen von Gotenhafen über die Ostsee bringen sollte. Sie tauschte die Karten auf Anraten gegen Bahnticket und erreichte so zusammen mit dem drei Monate alten Jörg Leipzig, während die Gustloff zusammen mit über 9.000 Menschen ihr Grab vor der pommerschen Küste fand.

Im Leben von Jörg Berger gab es auch später Entscheidungen von weitreichenden Konsequenzen. Die Flucht als Trainer der DDR-Nachwuchsauswahl bei einem Gastspiel in Jugoslawien war dabei sicherlich die einschneidenste. Berger ließ seinen 8-jährigen Sohn bei der Mutter zurück. In der Bundesrepublik stieg Berger, der bereits das Trikot von DDR-Auswahlmannschaften getragen hat und die Oberligamannschfaten von Jena und Halle trainiert hatte, auf das Trainerkarussell und wechselte fleißig die Vereine. Über Darmstadt, Ulm Düsseldorf und Kassel kam er zu den erfolgreichen Stationen seiner zweiten Karriere in Frankfurt, Köln und Schalke. Die Auslandseinsätze des Feuerwehrmannes in Basel und Bursa waren hingegen weniger glücklich.

Doch die Vergangenheit war stetiger Begleiter im Leben Jörg Bergers. Der lange Arm der Stasi verfolgte und bedrängte ihn auch im Westen. Angriffe auf seine Gesundheit inbegriffen. Dann kam die Wende und für Berger nach Einblick in seine Stasi-Akte die erschütternde Erkenntnis, Freunde verloren zu haben. Nicht minder schicksalhaft, dass ehemalige DDR-Funktionäre auch in der Bundesrepublik schnell wieder oben dabei waren.

Im November 2002 ereilte den Trainer von Alemannia Aachen erstmals die Nachricht einer Krebserkrankung. Kämpferisch wie Berger war, blickte er nach vorne und gab sich nicht geschlagen. Am 23. Juni 2010 besiegte ihn die Krankheit.

Trotz der rund 270 Seiten des Taschenbuches werden viele Stationen des Lebens und Wirkens von Jörg Berger nur angerissen. Viele Themen hätten es verdient gehabt, intensiver behandelt zu werden. Die Einflussnahme der Politik in der DDR auf den Sport, die Aktivitäten der Stasi und die Verstrickungen vieler Menschen mit ihr. Die Trennung vom Sohn, auch aus egoistischen Gründen, und Vergleiche zwischen zwei verschiedenen Fußballphilosophien. So legt man das Buch ein wenig traurig zur Seite, denn man hätte noch mehr erfahren wollen von einem ganz besonderen Menschen auf Deutschlands Trainerbänken.

Thema: +++++
Lesbarkeit: ++++
Orginalität: ++
Kult: ++
Preis: ++++

Jörg Berger - Meine zwei Halbzeiten

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 2. (1. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
Preis: 8,95 Euro

Mittwoch, 21. Juli 2010

VfL-Fankonferenz

Gestern fand sie statt, die von der Initiative "Wir sind VfL" organisierte Fan-Konferenz. Ich war leider zu der Zeit beruflich in Stuttgart und kann daher nur eine Bewertung aus der Ferne vornehmen. Rund 120 Teilnehmer fanden sich im riff ein unter ihnen auch Frank Goosen, Uwe Fellensiek und Fan-Beauftragter Dirk "Moppel" Michalowski. Finanzvorstand Ansgar Schwenken sagte kurzfristig aus transferpolitischen Gründen ab. Die Initiatoren präsentierten zunächst eine einführende Zusammenfassung, bevor es dann in die Diskussion ging. Diese verlief, den Umständen entsprechend, gut ab. Es gab wenige Ausfälle und einige konstruktive Beiträge. Natürlich durften persönliche Befindlichkeiten und Eigenwerbung nicht fehlen. Aber das gehört dazu. Insgesamt gelang es den Initiatoren die Veranstaltung gut zu leiten. (Bericht: hier; eine Forums-Diskussion: hier)Eine Zusammenkunft ähnlicher Art vor wenigen Wochen verlief da eher chaotisch. Nachdem die Initiative zuvor auch mit Verantwortlichen des Vereines gesprochen hatten bleibt nun die Frage, wie geht es weiter? Hat man in den eigenen Reihen, die in einigen Punkten gar nicht so geschlossen sind, eine Mehrheit und ein Mandat, um auf der Mitgliederversammlung Anträge, beispielswiese zu Satzungsänderungen, einzubringen? Hat man in der Mitgliederversammlung die Chance auf eine Mehrheit für Satzungsänderungen? - Wie soll es nun konkret weitergehen? Alles sammeln und entsprechend formulieren? Eine weitere Konferenz? Gleichzeitig Gespräche mit dem Verein um vielleicht zusammen Änderungen auf den Weg zu bringen? - Immerhin hatte der Aufsichtsratsvorsitzende ja angekündigt, dass Änderungen möglich sind (Interview: hier).

Kompliment und vielen Dank für die bisherigen Aktivitäten. Das war eine Herkulesaufgabe, die bravourös gemeistert wurde. Ich kann die Jungs nur dabei unterstützen weiterzumachen. Es kostet viel Zeit, viel Energie und Aufwand und ein Erfolg ist nur schwer abzuschätzen. Es wird wieder viel Kritik hageln und gepöbelt werden. Aber vielleicht muss man einmal da durch, um anschließend ein gutes Modell zu haben, was bei Fans, Mitgliedern, Verein und Umfeld akzeptiert wird und welches weiterhilft. Uns weiterhilft. Auf geht's VfL - Wir sind VfL!

Montag, 19. Juli 2010

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich...

Die Überschrift passt irgendwie zu beiden Top-Meldungen des VfL Bochum von heute.

Zuerst wurde vom FSV Mainz 05 bekannt gegeben, dass Christian Fuchs vom VfL Bochum für eine Spielzeit ausgeliehen wird und der FSV eine Kaufoption besitzt. "Nanu?" dachte man in B
ochum. Der Fuchs hat doch keinen Vertrag mehr in Bochum und sitzt arbeitslos zu Hause rum und sucht verzweifelt 2 Mio. Euro die der VfL bekommt, wenn Fuchs irgendwo wieder die Fußballschuhe schnürt und vielleicht sogar gegen den Ball tritt. Aber der Fuchs ist anscheinend ein selbiger und hat mit dem Karnevalsverein Ernst verhandelt. Kurzum: Der Fuchs hat wieder einen Vertrag beim VfL, wird für geschätzte 400.000 Euro für ein Jahr dem Holtby hergeschickt und kann anschließend weiter transferiert werden. Vielleicht nach England. Der Manager des Mainzer Karnevalsvereins hatte unlängst erklärt: "Ich habe null Verständnis, wenn ein Spieler bereit ist, gegen seinen Verein zu klagen. Den würden wir auch ablösefrei nicht nehmen!" Heute klingt das so: "Wir konnten gemeinsam mit Christian Fuchs die Irritationen um seine vertragliche Situation in Bochum ausräumen und sind sehr froh, dass er sich nun für Mainz 05 entschieden hat." - Na also, geht doch. - (Bild: FSV Mainz 05)

Die Schnauze gestrichen voll hat der DFB all
erdings vom VfL Bochum und speziell seinen Anhängern. Sieben Mal in den letzten sieben Jahren ist der VfL wegen deren Fehlverhalten verurteilt worden. Nicht vergessen sind die schlimmen Vorfälle in Bielefeld und die regelmäßigen Aussetzer einzelner auswärts, so z.B. zuletzt auch in Köln. Konkret verurteilt wurden die Geschehnisse nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Hannover. Nun wird der Zweitligaauftakt nicht nur montags sondern auch vor einer leeren Ostkurve sein. Welch ein Start. Die Entscheidung des DFB ist richtig. Hoffentlich werden jetzt auch endlich mal die Zuschauer und Fans wach, die bei den Aktionen schweigend oder gar lächelnd daneben stehen. Zivilcourage wird doch allenthalben gefordert. Gegen Rassismus, gegen Homophobie, gegen Gewalt, gegen Rechts, gegen Nokia, etc. - Es wird Zeit, dass in der Fan-Kurve mal ordentlich gesäubert wird, wenn es wieder mal zu Ausfällen kommen sollte. WIR LASSEN UNS UNSEREN VEREIN, UNSERE KURVE UND UNSERE FAN-KULTUR NICHT KAPUTT MACHEN! (Bild: VfL Bochum)

Interview mit Werner Altegoer - Teil II


18:48: Der VfL hat sich in den letzten Jahren sehr bemüht, an seinem Image zu feilen. Viele Aktionen zur Mitgliedergewinnung und zu einer eigenen Identität sind gemacht worden. Der Erfolg scheint eher bescheiden zu sein, vielleicht auch aufgrund der sportlichen Situation. Schauen wir uns die Vereinsphilosophie und das Leitbild an: Wie weit liegen Anspruch und Realität auseinander?

WA: Wenn man Erfolg hat, redet kein Mensch über das Leitbild. Im Leitbild steht, dass wir erstklassig sein wollen. Insofern haben wir natürlich eine Diskrepanz, aber ein Leitbild ist eine grundsätzliche Angelegenheit, die über Jahre umgesetzt werden muss.

Die Aktionen haben ja durchaus ihre Wirkung, allerdings in starker Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg. Was ich bei I-Dötzen säe, kann ich bei Teenagern natürlich als Erstligist besser ernten. Die Aktion ist aber trotzdem wichtig und richtig.


18:48: Welche Rolle spielt der Nachwuchs und Spieler aus der Region beim VfL?

WA: Es wäre wünschenswert, wenn wir wieder mehr Spieler aus dem engeren Umfeld in der Mannschaft hätten. Aber die müssen dann auch die Qualität haben. Das war in den vergangenen Jahren kaum der Fall. Wir haben einiges in der Jugendabteilung verändert und werden da auch weiter machen. Die ersten Früchte der Veränderungen in der Nachwuchsabteilung konnten wir bereits in diesem Jahr ernten. Sowohl die U19 als auch die U17 werden in der kommenden Saison in der höchsten deutschen Spielklasse an den Start gehen und die Durchlässigkeit zur ersten Mannschaft ist gegeben. In der vergangenen Saison waren es mit Patrick Fabian, Kevin Vogt und Roman Prokoph drei Spieler, die in den Profikader aufgerückt sind, für diese Spielzeit sind es mit Oguzhan Kefkir, Mirkan Aydin, Marc Rzatkowski und Michael Esser vier. Wir sind auf einem guten Weg.


18:48: Wie ist die Kommunikationspolitik beim VfL aufgestellt?

WA: Was die Kommunikation des Gremiums Aufsichtsrat angeht, so wird hier gerade konzeptionell an Veränderungen gearbeitet. Da sehe ich Handlungsbedarf. Ansonsten schlage ich vor, ein ähnliches Gespräch mit dem Vorstand zu führen, die sind zuständig.


18:48: Die Unzufriedenheit vieler Zuschauer und Fans hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren immer mehr gesteigert und ist in der letzten Saison gleich mehrfach explodiert. Wie sehen Sie die verschiedenen Aktionen, z.B. beim Abschlusstraining, der Ultras, vor allem aber auch Initiativen wie die von „Wir sind VfL“ und „Klartext1848“?

WA: Aktionen machen ja nur wirklich Sinn, wenn sie motivierend sind. Der Grat ist aber sehr schmal, dass solche Aktionen das Gegenteil bewirken. Ich weiß aus der Mannschaft, dass dies Vielfach genau der Fall war. Mal ganz abgesehen davon, dass es bei Bedrohung einzelner Personen endgültig aufhört. Die Initiativen kann ich nicht abschließend beurteilen. Ich denke aber, dass der Verein mit allen sprechen sollte – und damit haben wir ja auch begonnen.


18:48:: Neben Ihnen stand und steht vor allem Thomas Ernst massiv in der Kritik. Thomas Ernst ist seit Juli 2008 beim VfL und wird gerne mit seinem Vorgänger Stefan Kuntz verglichen. Ist dieser Vergleich zulässig und welche Möglichkeiten hatte Thomas Ernst bisher überhaupt, etwas zu bewirken? Welche Grenzen sind dem Vorstand durch Aufsichtsrat und Trainer gesteckt (z.B. bei Transfers)?

WA: Der Vergleich ist grundsätzlich natürlich zulässig, wobei ich mich daran nicht beteiligen will. Ich möchte nur auf zwei Dinge hinweisen: im Bereich Außendarstellung gehört Stefan Kuntz zu den Topleuten im deutschen Fußball, quasi ein Naturtalent. Da fällt es jedem schwer, die Nachfolge anzutreten. Aber das ist ja nur ein Teilbereich des Anforderungsprofils. Und zweitens hatten wir vor vier Jahren durch Sondereffekte erstmalig richtig Geld zur Verfügung und haben vergleichsweise große Summen investieren können. Und für beide gilt: beim VfL arbeiten wir im Team. Da ist keiner für Erfolge oder Misserfolge alleine verantwortlich.

Thomas Ernst handelt innerhalb derselben Grenzen, die Herrn Magath Kopfschmerzen verursachen. Das gilt meines Wissens aber für alle Vereine, meist auch in ähnlichen Größenordnungen. Ab dieser Summe braucht er die Genehmigung des Aufsichtsrat. Und was den Trainer angeht: es hat noch nie Sinn gemacht, einen Spieler zu verpflichten, den der Trainer nicht wollte. Das hat aber auch noch kein Vorstand anders gesehen.


18:48:: Woran ist das Experiment Heiko Herrlich gescheitert?

WA: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Heiko Herrlich ungemein viel Ahnung vom Fußball hat und dies auch noch zum Tragen kommt. Ich sehe es so, dass Heiko Herrlich unseren Klassenerhalt zu früh als gesichert angesehen hat und daraufhin zu viele Nebenbaustellen aufgemacht hat. Solange das wesentliche, das sportliche Ziel, nicht erreicht ist, kann ich nicht den Kader neu planen und Strukturen verändern.


18:48: In den bisherigen Transfers und Transferabsichten, auch bei den Abgängen, hat man den Eindruck, dass wieder stärker auf Charaktereigenschaften und Verbundenheit geachtet wird. Nun hat der VfL schon immer etwas Familiäres ausgestrahlt, die Rückkehr von Wosz, Freier und Hashemian ging ja auch in diese Richtung. Gibt es eine Renaissance der VfL-Familie oder ist dies in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich?

WA: Es ist Bestandteil unseres Leitbildes, dass jedem Respekt entgegengebracht wird, egal welche Position er im Verein bekleidet. Und es ist unsere Überzeugung, dass alle an einem Strang ziehen müssen, in der Mannschaft und im Umfeld. Sonst wird es noch schwerer, im bezahlten Fußball zu bleiben. Der Begriff der VfL-Familie entstand glaube ich vor 15 Jahren. Wenn wir uns an unsere Überzeugungen und unser Leitbild halten, ist das glaube ich zeitgemäßer.


18:48: Der direkte Wiederaufstieg kann nur das Ziel sein. Wie sehen die die Chancen und wo lauern die Risiken?

WA: Ich sehe gute Chancen, aufzusteigen. Aber bitte möglichst wirklich direkt, ohne Relegation. Allerdings darf man die zweite Liga nicht unterschätzen. Das obere Drittel der zweiten Liga und das untere der ersten Liga sind zwar finanziell weit auseinander, aber nicht sportlich. Und man muss vernünftig starten. Das war ja nun wirklich nicht unsere Stärke in den letzten Jahren.


18:48: Zum Abschluss dürfen Sie einen Wunsch äußern.

WA: Den Ball flach halten! Auf dem Rasen und auch daneben.


18:48: Sehr geehrter Herr Altegoer, vielen Dank für das Gespräch. Ihnen und dem VfL alles Gute für die kommende Saison.

WA: Das wünsche ich uns Allen.


Bild: VfL Bochum

Interview mit Werner Altegoer - Teil I

Werner Altegoer wurde 1993 Präsident des VfL und übernahm im Jahre 2002 den Vorsitz des neu geschaffenen Aufsichtsrats. 18:48 sprach mit ihm über seine Arbeit, Fan-Protesten, der Vereinsstruktur und der Perspektive des Vereins.
(Teil II des Interviews folgt am Montag um 18:48 Uhr)


18:48: Sehr geehrter Herr Altegoer, nachträglich nochmals alles Gute zu Ihrem 75. Geburtstag. Welche Wünsche sind Ihnen entgegengebracht worden?

WA: Danke sehr! Der Schwerpunkt der Glückwünsche verlagert sich im Laufe der Jahre, konstant bleiben die Wünsche auf eine erfolgreiche VfL-Saison.


18:48: Sie haben in der letzten Mitgliederversammlung gesagt, dass das Internet nicht ihr bevorzugtes Medium ist und auch die Diskussionsformen dort kritisiert. Daher freue ich mich, dass Sie heute, ich glaube zum ersten Mal, ein Interview für einen Blog machen.

WA: Ich habe aber auch gesagt, dass ich sehr gut nachvollziehen kann, wenn man Internetforen nutzt, um seine Meinung zu äußern. Ich habe es nur als sehr mühsam empfunden, die interessanten Äußerungen aus dem ganzen Unsinn zu filtern und vor allem die Anonymität kritisiert.


18:48: 1993 haben Sie das Amt des Präsidenten übernommen, 2002 wurden Sie Vorsitzender des neu geschaffenen Aufsichtsrates. Wie haben sich in dieser Zeit der Bundesligafußball, die Anforderungen an die Vereine und die Vereinsführungen geändert?

WA: Kurz gesagt, es ist erheblich mehr Geld im Spiel und erheblich mehr Öffentlichkeit. Die Vorstandsarbeit ist ehrenamtlich nicht mehr zu machen.


18:48: Vergleicht man die Etats der Bundesligavereine wird deutlich, dass die Liga geteilt ist. Die Hälfte der Clubs wirtschaftet in einer anderen Dimension, der Rest teilt sich auch noch mal in zwei Größenordnungen. Können diese wirtschaftlichen Unterschiede sportlich überhaupt überwunden werden?

WA: In einzelnen Jahren schon, wie das jetzt Mainz gelungen ist. Im Grunde deckt sich aber die Tabelle zunehmend mit der Größe des jeweiligen Etats.


18:48: 1993 spielten neben dem VfL noch Vereine wie Bayer Uerdingen, Wattenscheid 09, 1.FC Saarbrücken, VfB Leipzig und Dynamo Dresden in der ersten Liga. Von Eintagsfliegen wie der SSV Ulm oder der SpVgg Unterhaching nicht zu sprechen. Der VfL kann sich vielleicht mit Clubs wie Karlsruher SC, MSV Duisburg, 1860 München, Arminia Bielefeld, FSV Mainz 05, FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf oder der SC Freiburg vergleichen. Was hat der VfL im Vergleich zu diesen Clubs richtig gemacht, wo sind aus heutiger Sicht Fehler gemacht worden?

WA: Auch wenn es viele nicht mehr hören wollen: die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins war existenziell. Wir haben immer darauf geachtet, auch ein Zweitligajahr durchstehen zu können, ohne an die sportliche Substanz gehen zu müssen. Wir waren 1993 in der zweiten Liga und wirtschaftlich nahezu handlungsunfähig. Das hat sich nachhaltig geändert. An uns vorbeigezogen sind Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim, die Ursachen hierfür sind bekannt. Dieses viel zitierte „ins Risiko gehen“ ist letztlich ein Vabanque-Spiel, Hopp oder Topp. In Ihrer Auflistung sind einige Beispiele, die in der Vergangenheit oder zurzeit darunter leiden. - Ansonsten kann man einen Verein nicht leiten, ohne Fehler zu machen.


18:48: Werfen wir einen Blick auf die Vereinsstruktur: Wie muss ein moderner Verein heute aufgestellt sein?

WA: Ein Verein im Profifußball muss in erster Linie wie ein Unternehmen aufgestellt sein. Ich denke, wenn sie ein Organigramm des VfL sehen, dann spiegelt sich das sehr gut wieder. Allerdings ist hier auch vieles im Fluss und muss immer wieder angepasst werden, zuletzt im Nachwuchsbereich.


18:48: Der Aufsichtsrat ist für viele ein nebulöses Gremium. Können Sie uns kurz erläutern, welche Rolle der Aufsichtrat hat und welche konkrete Arbeit für die ehrenamtlichen Mitglieder anfällt?

WA: Das Wort „nebulös“ muss ich ablehnen, das erweckt den falschen Eindruck, als ob wir im „Geheimen“ arbeiten und die Mitglieder im Unklaren lassen wollten. Es ist bei uns nicht anders als bei anderen Vereinen oder auch Unternehmen: öffentlich äußert sich der Aufsichtsratsvorsitzende, grundsätzlich obliegt die Vertretung des Vereins dem Vorstand. Aber wir haben hier auch ein Defizit erkannt und ein Konzept entwickelt, um die Tätigkeit des Aufsichtsrates und die einzelnen Mitglieder öffentlich darzustellen.

Ich denke, nur so können wir einigen verqueren Vorstellungen über die Abläufe innerhalb des Vereins entgegentreten.

  • Der Aufsichtsrat des VfL Bochum wird seit 2002 von Werner Altegoer (75) geführt. Stellvertreter ist Prof. Dr. Klaus-Peter Schütt (60), Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Er ist zudem Geschäftsführender Gesellschafter der Acomcar GmbH in Bochum und Geschäftsführer der A&W netcar GmbH. Desweiteren sitzen im Aufsichtsrat Horst Christopeit (70), Unternehmer in Hattingen und ehemaliger Torwart des VfL Bochum sowie Torhüter der deutschen Fußballnationalmannschaft der Amateure, Volker Goldmann, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Bochum, Heinz Hossiep (72), SPD-Politiker mit verschiedenen regionalen Ämtern und Funktionen, Gerd Kirchhoff (68) ehemaliger Stadtdirektor von Bochum sowie Axel Treffner (42) als Fan-Vertreter. Er ist auch Mitglied im Fan-Club Blau-Weiße Panther. (60),

18:48: Demnach sollten Aufsichtsratsmitglieder vor allem folgendes mitbringen:

WA: Wirtschaftliche und möglichst sportliche Kompetenz, sie sollten außerhalb des Vereins in verantwortlicher Position tätig und echte VfLer sein, sonst tut man sich manche Dinge nicht an, die mit dieser Tätigkeit verbunden sind.


18:48: Wie stehen Sie aus Ihrer Sicht und Erfahrung zu Überlegungen, die Rechte der Mitglieder gegenüber Aufsichtsrat und Vorstand zu stärken?

WA: Es gibt gute Gründe dafür, dass z.B. der Vorstand nicht von den Mitgliedern gewählt wird, sondern vom Aufsichtsrat berufen wird, der seinerseits dem Votum der Mitglieder unterliegt. Wir diskutieren verschiedene Ansätze, um Fans und Mitgliedern verstärkt die Möglichkeit zu geben, direkt mit den Verantwortlichen zu reden.

Grundsätzlich muss ich aber festhalten: die Fußballabteilung eines Bundesligisten kann nicht geführt werden, wie ein Sportverein alter Prägung. Wir haben uns nicht umsonst von unserem Hauptverein getrennt, in dem die Mitglieder sicher enger eingebunden sind. Ein einmal berufener Vorstand muss eigenverantwortlich handeln können, ein einmal gewählter Aufsichtsrat muss handlungsfähig sein, sonst passt ein 40-Millionen-Umsatz nicht mehr in eine Vereinsstruktur.


18:48: Die in der Satzung des VfL festgeschriebene Wahl des Aufsichtsrates steht bei Teilen der Fans und Mitglieder in der Kritik, besonders das Gremium des Wahlausschusses und die Block-Wahl des Aufsichtsrates. Ist diese Konstruktion so noch zeitgemäß?

WA: Im Zuge einiger turbulenter Hauptversammlungen bei anderen Vereinen hat der DFB vor Jahren konkrete Vorgaben gemacht. Unsere Satzung war eine von relativ wenigen Möglichkeiten, diese umzusetzen. Satzungen müssen immer mal wieder überprüft werden, ich halte aber wenig davon, einzelne Punkte separat zu behandeln. Da gibt es aber Fachleute, die sich mit dieser Problematik befassen.

Zum Wahlausschuss gibt es zu sagen, dass die Mitglieder laut Satzung auf Vorschlag des Ehrenrates von der Mitgliederversammlung zu wählen sind. Damit haben die Mitglieder letztlich die Entscheidungshoheit. Die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder im Block ist nicht nur in meinen Augen unerlässlich. Damit die Arbeit des Aufsichtsrates effektiv und effizient sein kann, sollte die Atmosphäre zwischen den einzelnen Mitgliedern von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt sein. Animositäten sind in diesem Zusammenhang hinderlich für eine gute Zusammenarbeit. Aus diesem Grund hat es erhebliche Vorteile, wenn so eine Mannschaft bereits als Team zur Wahl antritt. Nicht zu vergessen: Entscheidende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Auszug aus der Satzung


§ 17 Wahlausschuss:

Der Wahlausschuss besteht aus drei Vereinsmitgliedern, die mindestens 40 Jahre alt sind und fünf Jahre und länger als Mitglied dem Verein angehören müssen. Die Mitglieder des Wahlausschlusses sind auf Vorschlag des Ehrenrates von der Mitgliederversammlung zu wählen.


Dem Wahlausschuss obliegt es, der Mitgliederversammlung geeignete Kandidaten für den Aufsichtsrat gem. § 18 Ziff. 1 a zur Bestätigung vorzuschlagen. Scheidet ein Mitglied aus dem Wahlausschuss aus, so wird für dieses Mitglied ein Ersatzmitglied auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung für die restliche Amtsperiode nachgewählt.


Vorschläge für die Kandidaten zum Aufsichtsrat können die Mitglieder des Vereins bis zwei Wochen vor der jeweiligen Jahreshauptversammlung über den Vorstand beim Wahlausschuss einreichen.

Die Haftung der Mitglieder des Wahlausschusses ist auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt.


§ 18 Aufsichtsrat:

1. Der Aufsichtsrat besteht aus mindestens 5, maximal 9 Personen mit Stimmrecht. Ein Vertreter der eingetragenen Fanclubs des Vereins kann weiteres Mitglied des Aufsichtsrates sein.


a) Fünf ordentliche Mitglieder des Aufsichtsrates werden von der Mitgliederversammlung aufgrund

von durch den Wahlausschuss der Mitgliederversammlung zu unterbreitenden Vorschlägen

gewählt. Diese müssen Mitglieder des Vereins sein. Sie werden en bloc gewählt.

Scheidet eines dieser Mitglieder im Verlaufe der Amtszeit aus und wird dadurch der Aufsichtsrat

beschlussunfähig, hat der verbleibende Aufsichtsrat eine außerordentliche Jahreshauptversammlung

zum Zwecke der Nachwahl einzuberufen.


b) Die von der Jahreshauptversammlung gem. Ziff. 1 a) gewählten Aufsichtsratsmitglieder

können bis zu vier weitere, ordentliche Aufsichtsratsmitglieder benennen. Die benannten

Aufsichtsratsmitglieder sind der nächsten ordentlichen Jahreshauptversammlung bekannt zu geben.


c) Weiteres Mitglied des Aufsichtsrates kann ein von den eingetragenen Fanclubs des Vereins vorgeschlagener Fanvertreter sein. Dieser bedarf der Bestätigung durch die Mitgliederversammlung.


2. Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand. Wird ein Mitglied des Aufsichtsrates zum Vorstand bestellt, scheidet dieses aus dem Aufsichtsrat aus.


3. Zu den Aufgaben des Aufsichtsrates gehört es, die Geschäftsführung des Vereins zu überwachen.

(…) Das Ergebnis der Prüfung gibt der Aufsichtsrat der Mitgliederversammlung bekannt.


4. Der Aufsichtsrat prüft und genehmigt den dem DFB/Ligaverband vorzulegenden Finanzplan des Vorstandes. Über den Ansatz im Finanzplan hinausgehende Ausgaben bedürfen der Genehmigung

des Aufsichtsrates. Gleiches gilt für (…) auch für den Abschluss von Verträgen, die eine

Zahlungspflicht von mehr als EURO 250.000,00 p.a. beinhalten. Der Aufsichtsrat kann mit einer

Mehrheit von 2/3 beschließen, dass weitere einzelne oder der Art nach gleiche Rechtsgeschäfte

seiner Zustimmung bedürfen.


Fortsetzung folgt

Bild: VfL Bochum