Freitag, 30. April 2010

Tag der Arbeit

"Samstags gehört Vati mir" zählt diesmal nicht. Is ja Tach der Arbeit und ich muß mächtig arbeiten. Auswärtsspiel mit dem VfL ist Schwerstarbeit, weil man in der Regel danach fix und alle ist und doch nichts erreicht hat. Ist so ähnlich wie Schwarzmarkthändler beim SV Wehen-Wiesbaden oder Würstchenverkäufer von "Deutschländer" bei Türkyiemspor.

Aber egal. Um 5:02 Uhr geht sie S-Bahn von Leverkusen-Küppersteg und um 10:05 Uhr sind wir schon in München. Natürlich 1. Klasse, denn wer hart arbeitet, der braucht auch mal was Luxus. Frag nach in der Kabine beim VfL.

Ab 13:30 Uhr dann im Olympiastadion oder wie dat Ding jetzt heißt. Ruhrstadion bleibt Ruhrstadion. Olympiastadion bleibt Olympiastadion und AOL-Arena bleibt AOL-Arena. Gegen den modernen Fußball! Meinen Aufenthalt in der Telekom-VIP-Lounge sehe ich auch mehr klassenkämpferisch. Vor allem mit VfL-Trikot. Che wäre neidisch ob meiner modernen Guerilla-Taktik.

So, und um 15:30 Uhr ist dann der Einzug der Gladiatoren. Diesmal zeitgleich mit den Löwen und Tigern. Mal schaun, was nach 90 Minuten übrig bleibt. Die Bochumer wollen diesmal (glaube ich) ohne Schienbeinschoner auflaufen. Haben die zumindest trainiert. Und mit zwei Stürmern, damit sie doppelt so viele Torchancen haben wie zuletzt in Köln und gegen Stuttgart. Mit der Taktik schießen die auch mindestens doppelt so viele Tore wie gegen Köln und Stuttgart zusammen!

Frank Goosen hat Donnerstag in Wuppertal prognostiziert, das Bönig in der 92. Minute das 1:0 für Bochum macht. Glaub ich nicht dran, weil Bönig, wenn es denn in der 91. Minute 0:0 steht auf keinen Fall über die Mittellinie geht, bzw. getragen wird, denn der hat ja bis dahin schon acht Krämpfe.

Ach was solls. Ich pfeiff mir in der Telekom-Lounge die Paulaner rein und kann dann auch japanisch sprechen. Ein Auge schaut auf die Zwischenstände in Hannover und Hamburg und vielleicht für Werder. Oder ich zieh mir meine blonde Karnevalsperücke auf und rufe "Ich bins Franck und ich bin auch schon achtzehn, Cherie".

Wird auf jeden Fall ein toller Tag. Vorm Frankfurter Flughafen (ca. 6:30 Uhr) will ich schon die Flasche Schampus geköpft haben. Sitze ja erste Klasse und is ja Tach der Arbeit. Da kann man nicht früh genug damit anfangen. Bei der Kundgebung im Stadion der Freundschaft in Fröttmaning werden ja auch wieder tausende rote Fahnen wehen. Ach, der Sozialismus hatte schon was Gutes. Vor allem wenn man Anhänger von Dynamo Berlin ist. Egal. Bochum ist immer für ne Überraschung gut. Wetten ?

Donnerstag, 29. April 2010

Die Herrlichkeit hat ein Ende!

Der VfL hat heute Heiko Herrlich entlassen. Am 27. Oktober 2009 beim VfL Bochum gestartet ist ein halbes Jahr später Schicht im Schacht. 22 Spiele brachten 4 Siege, 8 Unentschieden und 10 Niederlagen. Ein Punkteschnitt von 0,91 pro Spiel und zuletzt 10 Spiele ohne Sieg und oft sehr blamage Auftritte. Das Verhältnis von Mannschaft zum Trainer soll zerrüttet gewesen sein, Internas drangen nach außen, die Außendarstellung und der Respekt von HH haben stark gelitten. Damit endet das Projektm den VfL neu aufzustellen apprupt.

Es bleibt die Frage, was kommt nun?

Der VfL hatte sich gerade entschuldet. Jetzt fallen erhebliche Zusatzkosten an, vielleicht bis 2012, den solange gelten die Verträge des Trainerstabes.

Mit welchem Trainer soll welche Richtung eingeschlagen werden? Ich will die Namen der potentiellen Kandidaten gar nicht aufzählen. Mir läufts kalt den Rücken runter, wenn ich an die letzten Aussagen von Peter Neururer denke. Das klang ja schon wie eine Bewerbung.

Die heutige Entscheidung wirft mich (und hofentlich nicht auch den Verein) weit zurück.

Leistungsunwillige Spieler und Schweinepresse haben gewonnen. Mein VfL !?
Bild: vfl-bochum.de

Mittwoch, 28. April 2010

Talfahrt im Bergischen

Jetzt ist es perfekt. Der Wuppertaler SV geht über die Wupper und steigt nach sieben Jahren Drittligazugehörigkeit in die Regionalliga West ab. Gerade mal 2.000 Zuschauer kamen zur gestrigen "Beerdigung" gegen Rot-Weiß Erfurt (0:3) und dokumentieren damit das tatsächliche Interesse am Fußball in Wuppertal, als letztes höherklassiges Überbleibsel im Bergischen Land. Die beiden anderen ehemaligen Zweitligisten Union Solingen und FC Remscheid sind nach Insolvenzen mittlerweile in der Verbandsliga Niederrhein (6. Liga) beim KFC Uerdingen, Jahn Hiesfeld und SV Hönnepel-Niedermörmter gelandet, Tendenz nach unten.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um dem Wuppertaler SV zu prognostizieren, dass die Rückkehr in die 3. Liga in naher Zukunft auszuschliessen ist. Bereits in den letzten Jahren in der 3. Liga war es jedes Jahr eine Herkulesaufgabe, den notwendigen Etat zu stemmen und Sponsoren für den WSV zu begesitern. Auch die Kräftebündelung in Form einer Fusion mit dem SV Borussia Wuppertal 2004 brachte nur kurzfristig einen kleinen Effekt. Friedhelm Runge ist seit 1991 Präsident des Club, mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. In letzter Zeit äußerte er sich immer häufiger zur Situation des WSV und stellte laut die berechtigte Frage, ob sich Wuppertal eine Fußballmannschaft im Profifußball leisten kann. Diese Frage ist nun auf dem Platz beantwortet worden. In der Regionalliga, in der es nur einen Aufsteiger gibt, wird sich der WSV mit den Zweitvertretungen von Schalke, Dortmund, Bochum, Leverkusen, Köln, Gladbach, Kaiserslautern, Düsseldorf und Mainz messen müssen. Dazu kommen die ewig ambitionierten Teams von RW Essen, Preußen Münster und Waldhof Mannheim. Hier rauszukommen ist unter den weiter begrenzten finanziellen Mitteln nahezu unmöglich. Wahrscheinlicher ist da schon der Durchmarsch in die NRW-Liga.

Das ehemals wohlhabende Bergische Land* ist mittlerweile zu einem ziemlich weißen Fleck auf Deutschlands Fußballkarte verkommen. Schade, aber dem Lauf der Zeit kommt man leider nicht alleine mit Tradition und Leidenschaft von Einzelkämpfern bei.

Dazu passt, dass in Solingen das Alt-Ehrwürdige Stadion am Hermann-Löns-Weg abgerissen werden und schicken Wohnungen weichen soll. Während woanders neue Stadien aus dem Boden sprießen gibt hier den (kontrollierten und ersatzlosen) Rückbau.

*Das Bergische Land hat seinen Namen nicht von seinen Bergen sondern den früheren Landesherren, den Grafen von Berg. Das Herzogtum Berg umfasste einmal Orte wie Elberfeld, Solingen, Lennep, Radevormwald, Wipperfürth, Bensberg, Siegburg und Blankenberg. Der Sitz der Grafen und Herzöge war lange Zeit die Burg an der Wupper (heute Ortsteil von Solingen). Zum historischen Territorium des Bergischen Landes gehörten damals auch Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Oberhausen, das heutige Leverkusen und die rechtsrheinischen Gebiete von Köln.
Bild1: Pröppi, das Maskottchen des WSZ von www.wuppertalersv.de. Bild 2: Die Wupper

Lyoner sind keine Döninghauser!

Nach einem Fehlstart von nur zwei Punkten aus fünf Spielen steht der VfL Bochum auf Platz 18 (von 20) der Bundesliga. Gleichzeit verkürzten die Bayern nach drei Siegen in Folge den Abstand auf Spitzenreiter Rostock auf einen Zähler. - Mittwoch, 28. August 1991. Olympiastadion München. 20.000 Zuschauer erwarten einen klaren Sieg der Bayern gegen die graue Maus. Trainer Jupp Heynckes baut in der Saison auf Spieler wie Thomas Berthold, Jan Wouters, Markus Babbel, Stefan Effenberg, Christian Ziege, Olaf Thon, Bruno Labbadia, Roland Wohlfahrt, Mazinho, Brian Laudrup.

Am späten Mittwochabend reiben sich verwunderte Bajuwaren die Augen, haben Sie doch die Namen Bonan und Benatelli wahrscheinlich zum ersten (und letzten) Male in ihrem Leben gelesen. Und das auf der Anzeigetafel des Olympiastadions, wo sie den 2:0 Sieg der Gäste dokumentierten.

Seinerzeit beendeten die Bayern die Saison als 10., Bochumer stieg (letztendlich dank der beiden Zähler aus München) nicht ab. Bochums Trainer hieß Holger Osieck. Was hat dies alles mit dem Spiel am kommenden Samstag zu tun? - Wahrscheinlich gar nichts. Viel näher sind die Parallelen zum letzten Spieltag der Saison 88/89, wo die Bayern nach einem 5:0 Sieg die Deutsche Meisterschaft feierten und der VfL dank des Unvermögens der punktgleichen Frankfurter Eintracht und Stuttgarter Kickers hauchdünn den 15. Tabellenplatz erreichten und nicht abstiegen. Von mir aus kann diese Saison ähnlich enden.

Die Bayern stehen vor der Deutschen Meisterschaft, dem DFB-Pokal-Sieg und im CL-Finale. Bochum nach zehn sieglosen Spielen (U-U-N-N-N-N-U-N-N-N) am Abgrund. Es gibt nicht, was dem VfL Hoffnung macht. Keine Torchancen und viel zu viele Fehler auf dem Platz. Oftmals kombiniert mit blutleeren Auftritten. Alles andere als eine deutliche Niederlage wäre eine Überraschung. Ein Punktgewinn oder gar ein Sieg undenkbar. Die Aufstellung der Bayern ist letztendlich egal. Rechentechnisch konzentrieren wir uns darauf, nach dem 33. Spieltag vor Hannover zu stehen, damit im entscheidenden und letzten Spiel gegen die Niedersachsen ein Remis für Platz 16 genügt. Dazu dürfte Hannover gegen Gladbach nicht gewinnen und der VfL nicht mit mehr als 5 Toren Unterschied verlieren. Das ist ein realistisches Ziel für Samstag... - Es ist nicht zu erwarten, dass die Bayern übermüdet, unkonzentriert oder überheblich sind. Sie werden so lange 100% geben, bis der Sieg klar ist und werden dann hoffentlich zurückschrauben. Es ist zudem nicht zu erwarten, dass das Bochumer Mittelfeld dem Bochumer Sturm zu Torchancen verhilft. Und es ist überhaupt nicht daran zu denken, dass ein Bochumer Spieler ein Tor erzielt (Obwohl ein Hashemian-Kopfballtreffer perfekt ins Drehbuch von "Heiko im Wunderland" passen würde). Überlegungen zu Aufstellung und Taktik erübrigen sich. Wichtig ist, dass sich kein Bochumer verletzt oder sich eine Sperre fürs Saisonfinale einhandelt (Maltritz. Sestak, Pfertzel haben vier Gelbe). Zur Einstimmung noch etwas Statistik: Gesamtbilanz des Duells: In München: 34 Spiele, 25 Bayern-Siege, 8 Unentschieden, 1 Bochum-Sieg. Insgesamt 71 Spiele, davon 46 Bayern-Siege, 16 Unentschieden und 9 VfL-Siege. Hinspiel 5:1 für die Bayern. Die Bayern hatten in dieser Saison aus 220 Torchancen 66 Treffer erzielt (30%), der VfL 32 aus 115 (27,8%). Die Bayern haben 29 Gegentreffer, die Bochumer 58.

Mein Tipp: FC Bayern München - VfL Bochum 2:0

P.S.: Ich werde am Samstag um 5 Uhr in Leverkusen die S-Bahn einsteigen und Sonntag um 5:23 Uhr von München Hbf wieder zurück starten. Das Spiel darf ich aus der Telekom-Lounge in der Allianz-Arena verfolgen. Klingt wie ein elektrischer Stuhl mit Samtbezug.

Freitag, 23. April 2010

Ein Trommelfeuer Déjà-vus

Ja, es klingt blöd. Aber das Positive soll zuerst stehen, und darum: Der Mannschaft war kämpferisch kein Vorwurf zu machen. Die Fans haben die Spieler unterstützt, wie noch nie in dieser Saison. Und trotzdem hat der VfL sang- und klanglos gegen den VfB Stuttgart verloren.

Grund dafür war einerseits das clevere Auftreten der Schwaben. Mit den ersten beiden Chancen 2:0 in Führung gegangen und dann nichts mehr anbrennen lassen. Dem VfL fehlte schlichtweg die Qualität, um auch nur eine einzige Torchance herauszuspielen. Das war die zweite erschreckende aber deutliche Botschaft des Abends. Es war auffällig, wie oft der VfL im Aufbauspiel einfache Fehler machte. Pässe über wenige Meter kamen nicht an. In der Konsequenz wurden keine Torchancen herausgespielt. Sestak wollte sich bemühen, aber so weit kam es meistens nicht. Yahia, Maric, Fuchs, Epalle und besonders Holtby brachten zu wenige Bälle an den Mann. Immer wieder das selbe Spiel, immer wieder Ballverluste und immer wieder der neue Versuch, der ebenso scheiterte.Die wenigen Standards verpufften bei der Bochumer Zwergenoffensive ebenfalls gefahrlos.

Die Auswechslungen von Heiko Herrlich habe ich nicht verstanden. Nach meiner Einschätzung fehlte es an Anspielstationen und Beweglichkeit in der Offensive. Es war zu ausrechenbar. Aza ersetze Epalle in der 60. Minute eins zu eins, was folgloich nichts brachte. Dedic ersetze Sestak eins zu eins, mit dem gleichen Ergebnis und Freier (für Holtby) konnte die letzten fünf Minuten keine Impulse mehr setzen. Ich hätte Hashemian zur Halbzeit für Holtby gebracht. Aber vermutlich hätte das auch keine Wende bringen können. Einen 0:2 Rückstand zu drehen schafft man vielleicht in 5% der Fälle. Der VfL hat sein Pensum in dieser Saison schon übererfüllt.

Jetzt kann es nur darum gehen, vor dem letzten Spieltag noch die Chance zu haben, mit einem Sieg gegen Hannover was zu erreichen. Mit der heutigen Einstellung und etwas mehr Glück ist das drinn. Bis dahin vergrabe ich mich wohl im Garten.

BILDstörung beim VfL

Joachim Droll hat im März 2009 bei Günther Jauch 32.000 Euro gewonnen. Heute schreibt er für die BILD-Zeitung über den VfL Bochum. Das ist sicherlich schwerer als bei Jauch auf dem Stuhl zu sitzen, denn bei der BILD-Zeitung kommt es nicht darauf an, fachkundig, intelligent zu sein und logische Schlüsse zu ziehen, sondern darauf, in Schlagzeilen zu denken und Krawall zu machen. BILD-Zeitungs-Redakteure sind die Hooligans unter den Journalisten. Nicht jeder kommt dabei auf so geile Ideen wie "Riberys Lolita-Hure". Troll, pardon: Droll, hat sich dabei auf Bochums Trainer Heiko Herrlich eingeschossen, denn mit "Herrlich" kann man ja auch tolle Wortspiele kreieren.

Und so hat der Bochum-Troll in den letzten Wochen kein gutes Haar an Heiko gelassen. Hier das Pottpourie der trollen Töne:

Herrlich ändert schon wieder sein System
Bochum-Trainer - Herrlich attackiert Peter Neururer
Nach Krisen-Rapport - Herrlich plötzlich Spieler-Streichler
Trainer Herrlich - Sind sie noch der Richtige für Bochum?
Heiko Herrlich - Darum kann Bochum ihn nicht feuern
Herrlich gesteht - Ich mache mir Vorwürfe
Herrlichs Streichliste - Diese VfL-Profis will er rasieren
Nach Bochums Absturz - Lattek: Herrlich muss noch viel lernen
Acht Spiele ohne Sieg - Herrlich im Fahrstuhl des Grauens
Unglaublich! - Herrlich redet nicht vom Gewinnen
VfL Bochum - Herrlichs Zauber- Sprüche sind verpufft
Ausbootung Herrlich macht Maltritz Hoffnungen
Brennpunkt Bochum - Bei Herrlich ist alles schrecklich
1:2 gegen Frankfurt - Das Ende der Herrlichkeit


Der Troll hat sich damit nicht nur lächerlich gemacht (sogar der BILDblog widmet sich dem Thema) sondern auch nahezu alle gegen sich aufgebracht. Bochumer Ultras begrüßten ihn beim Training mit einem Spruchband (Die BILD-Zeitung lügt), in VfL-Foren gibt es massenhaft Kritik an ihm und seinem Stil, andere Journalisten distanzieren sich (Günther Pohl) und nicht zuletzt hat Heiko Herrlich ihn in der letzten Pressekonferenz massiv angegangen und beim folgenden Training vom Gelände verwiesen.

Bild: http://fantastic-supporters.blogspot.com

Eines hat dies aber anscheinend gebracht: Der dringend notwendige Schulterschluss zwischen Spielern, Trainer und Fans ist da. Gemeinsam soll jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft werden und anschließend die Situation aufbereitet und die neue Saison vorbereitet werden.

Hierzu auch:
11 Freunde im Abseits
Der Westen

Mittwoch, 21. April 2010

Schwabenstreich ?

Viel gegensätzlicher können Serien nicht sein. Der VfB Stuttgart ist mit Abstand die beste Rückrundenmannschaft und hat fünf Siege in Folge (u.a. gegen die Bayern und gegen Leverkusen) auf dem Konto. Der VfL hingegen hat sich in den letzten sieben Spielen nur einen glücklichen Punkt (in Freiburg) geholt.

In Bochum trafen die beiden Teams bereits 33 aufeinander. Mit 12 Siegen hat der VfL derzeit noch zwei mehr auf dem Konto als die Schwaben. Der letzte Bochumer Erfolg datiert allerdings bereits aus dem Jahre 2005. Von den letzten 21 Spielen gegeneinader gewann Bochum nur zwei (20.4.2003 mit 3:1 und 14.5.2005 mit 2:0). Im Hinspiel besorgte Fuchs in der 86. Minute (in Unterzahl) mit einem Freistoß das 1:1.

Bei den Stuttgartern hat Claudemir Jeronimo Barreto (Cacau) derzeit einen Lauf. Zwei Assist bei den Bayern und die letzten drei Tore (1:0 bei Hertha, 2:1 gegen Leverkusen) sind nicht nur eine Bewerbung für Jogi Löw sondern sollten auch in der Bochumer Innenverteidigung schlaflose Nächte bereiten. Dank Cacau sind die Stuttgarter wieder fett inm Geschäft um einen Europa-League-Platz. Wir erinnern uns: Nach dem 15. Spieltag stand der VfL noch vor dem VfB, nach dem 18. Spieltag waren wir noch punktgleich.

Aber was soll's. Serien sind dazu da gebrochen zu werden, jede Serie findet ihr Ende und in der Bundesliga ist eh alles möglich (3 Floskeln - ein Elfer): Unbedingter Wille, Überheblichkeit des Gegners, etwas Glück und die Unterstützung des Publikums (auch wenn das im Moment sicherlich kein Bock hat) können uns zu einer Überraschung tragen.

Mein Tipp: VfL Bochum - VfB Stuttgart 1:1

Bild: Schwaben gehen in der Ruhr baden... (http://www.goethezeitportal.de)

Dienstag, 20. April 2010

1.FC Köln: Es geht schon wieder los....

"Für mich war es eine Saison mit Höhen und Tiefen, aber das ist egal. Hier geht es um den FC, um meinen Verein. Wir haben den Klassenerhalt geschafft, und so scheint es am Ende eine gute Saison zu werden." Und kaum war das Mindestziel erreicht, schürte Podolski schon wieder große Hoffnungen bei den Fans. "Vom Potenzial, vom Umfeld ist der Uefa-Cup drin", sagte er mit Blick auf den inzwischen in Europa League umbenannten Europapokal.

Quelle: Rheinische Post

Siehe auch: Der 12. Paragraph

Montag, 19. April 2010

Berlin (Spandauer SV)

Der Zufall in Form des Ehemannes einer Freundin meiner Oma wollte es, dass ich während meines Berlin-Besuches im Herbst 1987 beim Spandauer SV landete. In der Vereinsgaststätte herrschte die nette Art von Stimmung, die man von Amateurspielen kennt. Auf dem Platz ging es dann, wegen der Gästfans, lebhafter zu. Spielunterbrechung, Ausschreitungen, etc. Trotzdem konnte da Spiel vor der bemerkenswerten Kulisse von rund 2.500 Zuschauern zu Ende gebracht werden.

Dem Spandauer SV gebührt die große Ehre, den letzten Platz (121.) in der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga einzunehmen. Der zweifache Berliner Meister und fünffache Berliner Pokalsieger holte in der Saison 1975/1976 ganze zwei Siege (gegen Leverkusen und den VfL Osnabrück), bekam in den ersten beiden Spielen bereits jeweils sieben Gegentor und beendete die Saison mit 8 Punkten und 33:115 Toren.

In jüngster Zeit pendelt der 1894 als Spandauer Thor- und Fußballclub Triton gegründete Club zwischen fünfter und sechster Liga.

Das Stadion an der Neuendorfer Straße fasst 3.000 Zuschauer. www.stadionbesuche.de schreibt: "Bis 1998 gab es noch ein Stadion an der Neuendorfer Straße, was mit dem neuen Sportplatz an der Neuendorfer Straße nichts gemein hat. Das „alte“ ist im Zuge des Bau der Wasserstadt abgerissen worden und das „neue“ an anderer Stelle, aber auch noch an der Neuendorfer Straße, neu errichtet worden. Diese Anlage wirkt auf den ersten Blick auch ein wenig verbaut. Wenn man das Kassenhäuschen passiert, läuft man auf eine unausgebaute Hintertorseite zu, wird um das Sozialgebäude (welches sich über die halbe Länge des Platzes erstreckt) rumgeführt und gelangt schließlich zum Stehplatzbereich. Dieser besteht nur aus ein paar Betonstufen. Hinter dem Tor findet der Besucher einen weiteren Stehplatzbereich der von einem ca. fünf Meter hohen Zaun geschützt wird. Die Gegengerade ist gar nicht ausgebaut und für den Normalsterblichen auch nicht begehbar."

25. Oktober 1987 Spandauer SV - Türkiyemspor Berlin 1:1 (0:1), 2.500 Zuschauer

Verein: www.spandauer-sv.de

Abstiegskampfdramaturgien

Dramatik in der laufenden Saison? 24. Spieltag: Der VfL Bochum ist nach acht ungeschlagenen Spielen mit 27 Punkten auf Rang 13. 9 Punkte vor dem 16. (Nürnberg) und 10 Punkte vor dem 17. (Hannover). Sieben Spiele ist der VfL einen Punkt weiter, zwei Plätze tiefer und null Punkte (auf Rang 16) bzw. einen Punkt (auf Rang 17) vor dem Relegations- bzw. Abstiegsrang. Der 32. Spieltag steht vor der Tür. Wo standen wir die letzten Jahre ?

In der letzten Saison gewann der VfL am 27. Spieltag mit 3:0 in Hoffneheim und hatte danach mit 28 Punkten fünf Zähler Vorsprung auf die Ränge 16 und 17. Es folgten fünf Niederlagen in Folge (Dortmund, Bremen, Hannover, Berlin, Hamburg) und ein zusammengeschmolzener Vorsprung von nur noch einem Pünktchen. Ein 2:0 Sieg gegen Frankfurt am 33. Spieltag und damit verbunden die Rettung, da die Konkurrenz aus Bielfeld und Cottbus verlor, beendete die Abstiegssorgen.

In der Saison 2007/2008 war der Klassenerhalt nach einem 1:0 Sieg in Wolfsburg am 29. Spieltag quais schon geschafft. Mit 37 Punkten hatte man 10 Punkte Vorsprung auf den 16. Am 30. Spieltag kam ein 1:1 gegen Mitkonkurrent Duisburg hinzu und es waren 11 Punkte Vorsprung bei 4 ausstehenden Spielen. Es folgte eine 0:2-Niederlage in Bielfeld (9 Punkte - noch 3 Spiele). Nach einer 0:3-Niederlage gegen Schalke am 32. Spieltag war der Klassenerhalt gesichert. Nürnberg als 16. hatte sieben Punkte Rückstand.

2006/2007 rutschte der VfL am 26. Spieltag mit einem 1:3 in Wolfsburg wieder auf einen Abstiegsrang. Es folgten 5 Siege (Hannover, Leverkusen, Frankfurt, Schalke, Hamburg) bei einer Niederlage gegen Berlin und nach dem 32. Spieltag der definitive Klassenerhalt (42 Punkte, 9 Punkte Vorsprung). Am Ende waren es 45 Punkte (11 Punkte Vorsprung).

Freitag, 16. April 2010

Welch ein Elend, welch erbärmlicher Auftritt

Ist das wirklich der VfL Bochum, den ich kenne und liebe? Das Wasser steht bis zum Halse und man bekommt den rettenden Reifen vor die Nase geworfen. Und was passiert? Nichts. Man hofft, dass irgend ein anderer der heldenhafte Retter ist. Eine angenehm einfache Lösung. Scheisse.

Wieder nur 41% gewonnene Zweikämpfe. Einfallslos, keine Aggresivität, unzulänglich in allen Aktionen. Was der VfL abgeliefert hat, war ein Trauerspiel, eine Offenbarung, ein elender und erbärmlicher Auftritt. Auch wenn es in der zweiten Halbzeit vom Engagement her besser wurde. Was blieb, war das Unvermögen und eindeutig nicht genügend Charakter im Team.

Ich bin genau so geschockt wie enttäuscht und weiss gar nicht, ob ich den Klassenerhalt überhaupt noch will. Denn was kommt danach? Wieder das Gleiche mit den gleichen Spielern? Oder täte es jetzt gut, in der zweiten Liga eine neue Mannschaft aufzubauen, die das verkörpert, was der VfL eigentlich ist: Kampf und Leidenschaft. Charakter. Identifikation. - Heerwagen, Bönig, Maltritz, Freier, Maric, Dedic, Dabro dürfen entscheiden, ob sie mit leistungsbezogenen Verträgen am Neuaufbau des VfL mitwirken wollen. Prokoph, Fabian, Vogt, Aydin, Kefkir sollen ihre Chance bekommen. Sestak, Yahia, Epalle, Klimo, Fuchs,... Danke, aber das war's dann auch.

Wahrscheinlich wird der VfL am 34. Spieltag noch einmal die Chance haben, zu Hause gegen Hannover den Klassenerhalt zu schaffen. Ich hoffe, ich bin bis dahin wieder klar im Kopf.

Drei Anmerkungen noch zu heute:
1) Die Bochumer Ultras haben mal wieder gezeigt, dass sie asoziale Arschlöcher sind. Bald dürfen auch wir uns mit "Geisterspielen" rühmen.
2) Unverantwortlich das Verhalten der Kölner Ordner, die auf der einen Seite (aus meiner Sicht) zu wenig taten, um gegen das Pyro im Bochumer Block vorzugehen und es andererseits zuliessen, dass Kölner Anhänger rund um den Gästeblock die Bochumer laufend provizierten (blanken Arsch zeigen, Becher werfen, ...). Da sollten DFB und Polizei mal einschreiten.
3) Köln (FC, Publikum, Stadionservice) ist und bleibt das Allerletzte.

1.FC Köln ist für'n Arsch

Die AOK Rheinland/Hamburg will die Fans des 1. FC Kölns zu Anhängern der Darmkrebs-Früherkennung machen.

Mitarbeiter der Krankenkasse werden bei Spielen des 1.FC Köln nicht nur über die Vorsorgekoloskopie informieren, sondern für Interessierte auch Termine vermitteln.

"Wenn die Männer ins Stadion des 1. FC Köln gehen, erhalten sie eine Karte mit der Aufforderung, zur Darmkrebs-Früherkennung zu gehen", berichtet der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Wilfried Jacobs - ehemaliger Präsident des FC-Erzrivalen Borussia Mönchengladbach - auf der MCC-Fachkonferenz "Onkologie 2010" in Köln.

Anspruchsberechtigte sollen direkt in den Fanshop des 1. FC gehen. Dort sitzen zwei Mitarbeiter der AOK mit Listen von Ärzten aus der Region, die eine Koloskopie-Berechtigung haben. Am Montag nach dem Spiel machen die AOK-Mitarbeiter mit dem gewünschten Arzt einen Termin aus, sagte Jacobs. Über die Früherkennungs-Maßnahme erhält der Mann eine Bestätigung vom Arzt. "Dafür kann er sich beim nächsten Spiel einen Artikel* aus dem Fanshop holen."

* z.B. die Darmhalteflasche, ein Därmetauscher oder ein Darmwassergerät (Anm. von 18:48)

Quelle: Ärzte Zeitung
Bild: http://www.bap.de/

Donnerstag, 15. April 2010

Remscheid

Das Röntgen-Stadion in Remscheid-Lennep ist ein durch und durch unspektakuläres, schön gelegenes, unterklassiges Stadion. Die Kapazität beträgt 12.463 Plätze. Davon sind 2.168 Sitzplätze und 10.295 Stehplätze. Das 1925 gebaute Stadion verfügt zwar über eine Tribüne und eine Anzeigetafel, jedoch über kein Flutlicht. Höheren Ansprüchen, die in Remscheid mal vorherrschten (Fünf Jahre 2. Bundesliga) genügt es demnach heute nicht mehr. Da der FC Remscheid, als 1990 fusionierter Nachfolgeverein vom VfB Marathon (Deutscher Amateurmeister 1968) und dem BV Lüttringhausen (später BVL 08 Remscheid; Deutscher Amateurmeister 1986), heute vor 200 Zuschauern in der Niederrheinliga (Verbandsliga) gegen den erneuten Abstieg spielt, sind auch größere Visionen recht unrealistisch. Bemerkenswert: Alle aktuellen Spieler haben einen deutschen Pass.

Auf dem Weg in die 2. Bundesliga (Am Ende stiegen Remscheid und Meppen mit jeweil 10 Punkten auf, während es für Hertha BSC nur zu Rang 3, vor Erkenschwick und Arminia Hannover langte) unterstütze ich die Remscheider 1987 zweimal. Das waren meine einzigen Ausflüge nach Lennep, die ich auch nur noch in schwacher Erinnerung habe.

Mai 1987 BV Lüttringhausen 08 Remscheid - Arminia Hannover 2:0 (Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga)

Mai 1987 BV Lüttringhausen 08 Remscheid - Hertha BSC Berlin 1:2 (Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga)


Foto: www.fcremscheid.de
Internet: www.fcremscheid.de

Mittwoch, 14. April 2010

Eff-Zäh: Da krisch Plack!

Was für eine Bilanz: Von 32 Spielen in Müngersdorf gewann der VfL genau eins. Nämlich am 18. April 2004 mit 2:1. Danach gab es nochmal ein 1:1 am letzten Spieltag der Saison 2008/2009. - Nun, sehen wir das mal positiv: Der VfL hat seit fast 10 Jahren nicht mehr in Köln verloren...

Am 6. Mai 1977 habe ich mein erstes Spiel des VfL live gesehen. Im zarten Alter von sieben Jahren musste ich miterleben, wie der VfL an einem Freitagabend (da sollte man in dem Alter lieber im Bett sein) eine 6:1-Klatsche bekam. Vier Tore von Dieter Müller und es stand zur Halbzeit bereits 5:0. Ich erinnere mich noch daran, dass der damalige Trainer Heinz Höher an diesem Tag krankheitsbedingt nicht bei der Mannschaft war. Und ich erinnere mich daran, dass wir ein paar Minuten vor Schluß das Stadion verlassen haben, um "gut mit dem Auto weg zu kommen", wie mein Papa meinte. Außerhalb der ollen Schüssel Müngersdorf hörte ich dann mein erstes VfL-Tor live. Jupp Kaczor in der 85. zum 1:6 Endstand. In den Folgejahren holte ich mir regelmäßig linksrheinig die Klatschen ab. Straßenbahnlinie 1. Stadion. Klatsche. Heimfahrt. Toni Woodcock verhinderte 1988 in der 82. Minute einen Auswärtssieg, Klaus Allofs im gleichen Jahr in der 89. Minute zumindest ein Punkt. Gegen den VfL trafen alle: Klaus Fischer (1983), Pierre Libarski (1986), Sunday Oliseh (1996), Toni Doppelpack Polster (1998), Georgi Donkov (2000) und viele Nieten der Kölner Vereinsgeschichte wie Geils, Greiner, Timm, Springer, Kurth, Vladoiu und Podolski (2004).

Letztgenannter Nationalspieler spielt auch eine entscheidende Rolle in den beiden Szenarien, die in meinem Kopf rumspuken:
Szenarium 1: Poldi hat am Freitag einen seiner seltenen Glanzauftritte: Er macht einen Doppelpack zum späten 2:1 Sieg der Kölner.
Szenarium 2: Dedic wuselt wie ein Irrer und wird im Strafraum gelegt. Der VfL bekommt auswärts den zweiten Bundesliga-Foulelfmeter seit 11 Jahren (1.9.2007 verwandelte Maltritz zum zwischenzeitlichen 2:2 in Hannover (Endstand 3:2 für 96); 4.4.1999 verballerte Thomas Reis beim Stand von 0:0 in Frankfurt, der VfL verliert in der 86. Minute 0:1) - Also: Elfmeter Bochum - Der Grundstein zum 2:0 Sieg.

Bei Köln werden zwei Spieler mit großen Namen fehlen: Maniche (war mal Polizeipräsident in Passau) wegen der 5. Gelben, Mohamad (der mit den Karikaturen) wegen Rot-Sperre. Dafür traf Adam Matuschyk (ehemalige Torwart von Bayer Leverkusen und Fortuna Köln) in seinem fünften Bundesligaspiel gleich zwei Mal.

Der VfL sollte möglichst bei seiner Aufstellung aus dem Hamburg-Spiel bleiben. Es hat im Vergleich zu den vorhergehenden Spielen weitestgehend gepasst. Ob Pfertzel oder Concha die bessere Wahl ist, darüber kann man trefflich streiten, am Besten nach dem Spiel. Maltritz und Yahia ist in Ordnung, die Erfahrung spricht für sie und gegen Mavraj. Bönig und Fuchs auf links sehen ganz gut aus, mit Potential nach vorne. Holtby, Epalle und Dedic versuchen nach vorne einiges. Davon klappt zwar nicht ganz so viel, aber sie strahlen Gefahr aus. Zudem steht Freier hier als Ersatz bereit. Alleine Sestak macht derzeit große Sorgen und scheint trotzdem alternativlos. Vielleicht braucht er mal wieder ein Erfolgserlebnis, aber wer braucht das nicht in Bochum... Schlimm wiegt der Ausfall von Dabro bis Saisonende wegen einer Verletzung. Dabro und Maric ergänzten sich beim HSV-Spiel in der Mitte recht gut. Johansson kann die Rolle nicht ausfüllen. Vielleicht fällt Herrlich hier aber auch eine andere Lösung mit Azaouagh, Pfertzel oder Mavraj ein.

Mein Tipp: 1.Fc Köln - VfL Bochum 0:2 (gibt eine Quote von 220 für 10)

Sonntag, 11. April 2010

Leere

Auch wenn es nicht der schlechteste der letzten acht Auftritte des VfL war. Das 1:2 gegen den HSV wirft die Bochumer mit voller Wucht in den fettesten Abstiegskampf. Der Mangel an Qualität wurde über alle Maßen sichtbar. Von vorne bis hinten, von links bis rechts. Hoffnung auf Besserung? - Nein! - Wir können nur hoffen, ein paar Punkte glücklich zu erkämpfen und dass die Konkurrenz dies nicht mehr tut. Aber selbst wenn die Klasse gehalten wird, die Zukunft ist ganz düster und ich stehe mitten in einer endlosen Leere.

Freitag, 9. April 2010

Essen (Rot-Weiss)

Das aktuelle traurige Erscheinungsbild des altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion könnte nicht passender sein für die Situation eines Vereines, der von der Treue und Liebe seiner Fans ebenso getragen wie von falschen Entscheidungen und schlechten Führungen geprägt wurde. Helmut Rahn und Willi "Ente" Lippens dominieren auch heute noch die Erinnerungen an RWE außerhalb der Ruhrmetropole. Auch mangels aktueller Erfolge des Clubs.

Als Essen noch fünftgrößte Stadt Deutschlands war, spielte der Club sieben Jahre in der Bundesliga. Heute ist Essen Kultur-Hauptstadt und von der Einwohnerzahl hinter Frankfurt, Stuttgart, Dortmund und Düsseldorf zurückgefallen. Auch sportlich ging es stetig bergab: 1977 in die 2. Liga, 1984 erstmalig in die dritte Liga (Amateur-Oberliga Nordrhein), 1998 erstmalig und seit 2008 wieder in die vierte Liga.
(Bild: geplantes Neues Stadion: www.stadion-essen.de)

Dabei hätte der 1907 gegründete Club, der 1953 DFB-Pokal-Sieger (2:0 gegen Aachen) und 1955 Deutscher Meister (4:3 gegen Kaiserslautern) wurde viele Vorausetzungen, um eine feste Größe in Fußball-Deutschland zu werden. Eine große, wirtschaftsstarke Stadt und ein großes Zuschauerpotential. Das alles konnte aber nicht genutzt werden, und so ist RWE sportlich im Ruhrgebiet derzeit sogar hinter der zweiten Mannschaft des VfL Bochum angesiedelt.

1994 wurde nach Siegen über den 1.FC Bocholt, den FC St. Pauli, den MSV Duisburg, Carl Zeiss Jena und TeBe Berlin das DFB-Pokal-Finale erreicht, welches mit 1:3 gegen Werder Bremen verloren wurde. Aber auch dieser Höhenflug brachte keine positive Wende.

Das 1939 erbaute und gerne als deutsches Highbury bezeichnete Georg-Melches-Stadion fasst derzeit nur noch 15.000 Zuschauer. Bereits 1990 wurde die Westkurve abgerissen und das Georg-Melches-Stadion war das einzige deutsche Stadion mit nur drei Tribünenseiten. Pläne für ein Neues Stadion gibt es schon lange. Aber ein jahrelanges hin und her, begünstigt durch die wirtschaftliche und sportliche Entwicklung, lassen die Errichtung in weite Ferne rücken.

Ich habe die Spiele in Essen immer als sehr stimmungsvoll erlebt. Die Fans sind laut und originell. Es wäre schön, wenn RWE bald wieder in höheren Ligen und in einem neuen Stadion spielt.


Verein: http://www.rot-weiss-essen.de/
Neues Stadion: http://www.stadion-essen.de/

8. August 1993 RW Essen - VfL Bochum 0:2 (0:1),
(2. Bundesliga), 24.000 Zuschauer


14. August 1994 RW Essen - VfL Bochum 0:2 (0:0) n.V.
(DFB-Pokal, 1. Runde), 17.000 Zuschauer


30. Januar 2008 RW Essen - Hamburger SV 0:3 (0:1),
(DFB-Pokal, Achtelfinale) 21.500 Zuschauer


14. September 2008 RW Essen - VfL Bochum II 1:1 (0:1),
(Regionalliga West), 8.300 Zuschauer

Mittwoch, 7. April 2010

Immer wieder HSV

Mit keinem anderen Gegner verbinde ich so viele, intensive und wegweisende Duelle, wie mit dem HSV. Nicht Köln, nicht Leverkusen, nicht die Bayern und auch nicht irgendwelche Ruhrgebietsclubs. Nein, der HSV hat meine VfL-Wege nachdrücklich gekreuzt.
12. April 1988: Pokal-Halbfinale. Durch einen 2:0 Sieg im Ruhrstadion (Tore: Kree, Iwan) sichert sich der VfL die zweite (und vorerst letzte) und meine erste Endspielteilnahme.
16. April 1993: Nach einer etwas ruhigeren Fußballphase (Bundeswehr, Studium, Mädels,...) war es wieder eine intensive Saison mit dem VfL, die in einem Mitgliedsantrag und später in einer Dauerkarte endete. Am 26. Spieltag empfing der VfL als Tabellenletzter den HSV und es war klar, dass dies ein vorentscheidends Spiel um den Klassenerhalt sein würde. Der VfL verlor 1:2 (Anschlusstreffer: Aden), blieb Schlußlicht und stieg letztendlich mit einem Punkt Rückstand auf Dynamo Dresden (die wegen Lizenzvergehen mit einem Punktabzug bestrafft wurden, der aber erst in der folgenden Saison vollstreckt wurde) ab.
23. August 1998: Das im Umbau befindliche Volksparkstadion bot eine traurige Kulisse für einen traurigen Auftritt des VfL. Mit 1:0 gewann der HSV durch einen Spieler mit Namen Dembinski. Das Spiel war Endstation eines Ostsee-Urlaubs. Stefan Kuntz versuchte sich als Libero und am Ende war der VfL mit acht Punkten Rückstand abgestiegen.
3. und 8. Dezember 2002: Innerhalb von wenigen Tagen zweimal beim HSV. Das Pokal-achtelfinalspiel wurde glücklich mit 1:0 gewonnen (Tor: Freier), im Meisterschaftsspiel erzielte Graulund in der 90. Minute das ebenfalls glückliche 1:1. Meine HSV-Anhänger-Begleitung war auf der Rückfahrt nach Schwerin restlos bedient.
21. Mai 2005: Am letzten Bundesligaspieltag verabschiedet sich der VfL mit einem 1:0 Sieg (Tor: Diabang, 3. Minute) in Hamburg wieder mal für eine Jahr aus der Bundesliga.
2. Dezember 2006: Gemeinsam mit zwei Freunden ging es von Schwerin per Zug nach Bochum und zurück. Auf der Hinfahrt brannte der Zug, auf der Rückfahrt jagte eine Verspätung die andere, so dass wir sehr sehr spät wieder in Schwerin waren. Dazwischen lagen viele Biere und ein 2:1 Sieg des VfL (Tore: Dabrowski, Misiomovic), ein Platzverweis für van der Vaart und der Sprung des VfL von einem Abstiegsplatz. Nach diesem 15. Spieltag war der VfL 15. und der HSV 17.
5. Mai 2007: Das Rückspiel: Im Rahmen eines tollen Saisonendspurts siegte der VfL mit 3:0 in Hamburg (Tore: Gekas, Grote Misimovic) und beendete die Saison als 8., einen Platz hinter dem HSV und einen vor dem BVB.

Das Spiel am Sonntag steht für beide Teams unter keinem guten Stern. Zwar trifft Guerrero beim HSV wieder ins Schwarze, aber im Verein stimmt es vorne und hinten nicht. Launische Spieler, mit den Gedanken schon beim nächsten Verein, unzufriedene Fans und der Sturz auf Rang 6. Die neuerliche Teilnahme am europäischen Wettbewerb ist ernsthaft in Gefahr, auch wenn der HSV im laufenden Europa-League-Wettbewerb (nach glücklichem Weiterkommen gegen Eindhoven und Anderlecht) noch gute Chancen hat - und hoffentlich am Donnerstag in Lüttich ordentlich Kräfte läßt.

Das Hinspiel gewann der VfL glücklich durch ein Tor von Grote mit 1:0. Insgesamt gewann der VfL zu Hause fast jedes zweite Spiel gegen den HSV. Nur acht der 35 Partien gingen verloren (Bilanz: 17-10-8). Seit 2001 endeten die Spiele im Ruhrstadion allesamt 2:1 (2x für Bochum, 1x für den HSV) oder 1:1 (4x).

Wichtig wird am Sonntag das Mittelfeld sein. Wer kauft wem den Schneid ab? Maric, Holtby, Dabrowski und Co müssen hier die Bälle gewinnen und wenig zulassen. Van Nistelroy braucht in der Regel nur wenige Chancen um zu treffen und es bereitet Schmerzen, sich Zweikämpfe zwischen ihm und der Bochumer Innenverteidigung vorzustellen. Ze Roberto kann ein genialer Antreiber sein, wenn man ihn läßt. Fraglich ist, wer das Bochumer Offensivspiel beleben soll. Sestak steht oft neben sich. Epalle und Dedic haben zuletzt wenig gezeigt und sind zudem angeschlagen. Vielleicht Freier, vielleicht aber auch noch mal ein Versuch mit Grote, der zwischenzeitlich in der Versenkung verschwunden ist. Maric wird nach meiner Überzeugung wichtigster Spieler sein, nicht nur wegen seiner Ballsicherheit sondern wegen seiner Ausstrahlung. Er, Maltritz, Bönig und mit Abstrichen Freier und Holtby vermitteln die nötige Einsatzbereitschaft, Motivation und Verbundenheit mit dem Verein.

Es wird ein Spiel, das dadurch entschieden wird, bei welchem Team der Wille über die Angst siegt, der Charakter über die Gleichgültigkeit. Ich vertraue auf alte Bochumer Tugenden.

Mein Tipp: VfL Bochum - Hamburger SV 2:1

Sonntag, 4. April 2010

Schmutziger Punkt als Hoffnungsschimmer

Es war ein schmutziger Punkt, den der VfL mit Dabrowskis Treffer aus Freiburg mitnehmen durfte. Normalerweise wäre der Sport-Club als Sieger vom Platz gegangen.19:5 Torschüsse, 10:2 Ecken, 58% zu 42% gewonnene Zweikämpfe und 59% zu 41% Ballsbesitz zugunsten der Heimelf. Klare Sprache.

Insgesamt eine sehr enttäuschende Vorstellung der Bochumer, die sich ja wieder mal verbal sehr viel vorgenommen, aber nichts (vielleicht bis auf den Einsatz) davon umgesetzt hatten. So kann der VfL froh sein, nicht auf den Relegationsplatz gerutscht zu sein und liegt nun immer noch drei Punkte vor dem SCF und punktgleich mit dem 1.FC Nürnberg auf Rang 15. Hertha BSC ist durch den siebten Punkt im dritten Spiel mittlerweile auf sechs Zähler rangerückt.

Nun gilt es eine Woche ruhig und konzentriert zu arbeiten, um nächsten Sonntag einen HSV zu schlagen, der momentan sehr anfällig ist.

Samstag, 3. April 2010

Essen (ETB Schwarz-Weiß)

1959 gab es für den ETB Schwarz-Weiß tatsächlich einen 3. Weihnachtstag. Die Mannschaft aus dem Stadwald wurde am 27. Dezember in Kassel durch einen 5:2 Sieg über Borussia Neunkirchen DFB-Pokal-Sieger. Zuvor hatte man immerhin den Hamburger SV und Hertha BSC Berlin ausgeschaltet. Acht Jahre später nahm Neunkirchen Revanche, lies den ETB in der Aufstiegsrunde zur Fußball-Bundesliga um einen Punkt hinter sich und durfte im Folgejahr in Deutschlands Eliteliga kicken.

Das 1922 errichtete Stadion Am Uhlenkrug beherbergte in Spitzenzeiten bis zu 45.000 Zuschauer. Heute sollen es noch 20.000 bis 25.000 sein, die auf den 2.400 Tribünen-Sitzplätzen und den Stehrängen Platz finden. Nach meinem Eindruck passen dort jedoch nach einem Rückbau nur noch 7.000 Leite rein.

Heute spielt der ehemalige Club von Jens Lehmann, Uwe Reinders, Oliver Bierhof, Thomas Hörster und den späteren VfL-Spielern Holger Trimhold und Hans Walitza in der NRW-Liga eine ordentliche Rolle. Trotzdem finden nur wenige Zuschauer den Weg zum Essener Turner-Bund. Beim Spiel gegen die Hammer SpVgg am Gründonnerstag 2010 waren es rund 300, davon handgezaählte 50 im Stehlatzbereich. Wie damit die Basis für ein möglichen Aufstieg in die Regionalliga gelegt werden soll ist fraglich.

Ich habe bei meinem Besuch etwas gebraucht um herauszufinden, was am bzw. im Stadion so anders ist: Das Stadion am Uhlenkrug ist sauber und gepflegt. Und das spiegelt sich in allen Bereichen wider. Sitzplätze, Stehplätze, Würstchenbude, Banden, Platz, Kaffeebude und Kaffeebudenbetreiberin. Ungewöhnlich, aber irgendwie gemütlich. Wenn nur nicht der Schnee-Regen-Einbruch zur Halbzeit gewesen wäre.

Verein: ETB Schwarz-Weiß Essen

1. April 2010:
ETB Schwarz-Weiß Essen - Hammer SpVgg 2:0 (1:0) 320 Zuschauer

Freitag, 2. April 2010

Wie erziehe ich meinen Sohn richtig?

Frank Goosen hat es mir erfolgreich vorgemacht. Seine beiden Söhne sind VfL-Fans geworden. Ohne physische oder psychische Gewalt (zumindest schreibt er davon nichts). Auch bei mir wir der Zeitpunkt immer akuter, meinen Sohn mit dem richtigen Verein zu verkuppeln. Immerhin bewegen wir uns auf exteritorialem Gebiet und Bayer Leverkusen infiltriert selbst Kleinkinder vor Ort gewaltig. Vor wenigen Wochen kam Nils aus dem Kindergarten und faselte was von Bayer Leverkusen. Alarmstufe Gelb. Und meine ersten leichten Schubser in Richtung VfL Bochum hat mein Vater zum Anlass genommen den Jungen hinter meinem Rücken ebenfalls für die Werkself zu gewinnen. Jetzt wird's also Ernst. Innerhalb weniger Tage habe ich die Grundausstattung besorgt (Trikot, Trainingsanzug in Übergröße, Frühstücksset, etc.) und ihn natürlich im Bobi-Bolzer-Club angemeldet. Aber das wird nicht reichen. Laut einer Studie (Sportfive, 2007), über die ich in der WELT gelesen habe, gibt es folgende Gründe für Kinder, einen Verein als Lieblingsverein auszuwählen:

Familiäre Einflüsse: 38%

Das ist meine größte Chance. Wie oben beschrieben gebe ich 100% und hoffe, die versuchte Einflussnahme von Opa zugunsten von Bayer Leverkusen klein zu halten.


Sympathie: 31%

Hier wird es schon schwieriger. Wie erzeuge ich Sympathie? Meine Strategie ist, alles wo VfL Bochum drauf steht und klebt als schön anzupreisen, besonders intensiv zu jubeln wenn der VfL ein Tor schießt und bei sämtlichen Gute-Nacht-Geschichten den VfL Bochum einzubauen. Entweder ist der gute Prinz VfL-Fan, der böse Wolf ein schwarz-gelber, das tapfere Schneiderlein heißt Heiko oder die böse Hexe Felix.

Erfolge: 29%

Stellt sich die Frage, was Erfolge sind. Ich werde ihn nur die Sportschau gucken lassen, wenn ich vorher die Ergebnisse kenne. Wenn er VfL guckt, dann gewinnt der VfL auch.

Freunde: 25%

Schon wieder schwierig. Ich habe ihm zwar verboten, sich Freunde zu suchen, die keine VfL-Fans sind, aber dafür hat er jetzt gar keine Freunde...

Lieblingsspieler spie
lt dort: 21%
Das klappt reibungslos. Er kennt nämlich nur die Spieler aus der VfL-Stadionzeitung.

Spielt in meiner Stadt: 14%

Fatale Unterstützung des Wunsches vom Opa.

Stadionbesuch: 10%

Operation Ruhrstadion startet am 8. Mai.

Schule: 8%

Derzeit noch Kindergarten. Wohl auch eine Bayer04-Hochburg. Ist ein katholischer Kindergarten und somit werde die Argumentationskette so aufbauen, dass wer in katholischen Kindergärten Bayer04-Fans ist, ein potentielles Opfer von Gewalt war. Damit sollten die Kindergärtnerinnen auf meiner Seite sein und ihn vor Bayer04 bewahren.

Sportverein: 8%

Meine Lösung: Ich trainiere ihn selber.

Damit summiert es sich auf 38% + 19% + 12% + 5% + 9% + 0% + 10% + 2% + 4% = 99%

Das sollte reichen!

Donnerstag, 1. April 2010

Was die Stunde schlägt

Ordentlich ausgesprochen wurde sich beim VfL unter der Woche. Die Spieler zeigen Selbstkritik und beschöningen nicht. (Bei letzterem wüsste ich auch nicht wie). Aber was soll das ganze Gerede, wenn man sich das Spiel gegen Frankfurt noch einmal vor Augen hält. Erinnerungen an die Hinrunde werden wach. Auch hier wurde nach den desaströsen Vorstellungen regelmäßig viel Selbstkritik geübt, Besserung gelobt und fleißig weiter gegurkt. - Trotzdem glaube ich, dass die Situation jetzt eine andere ist. Ich traue dem Team den Charakter zu, das Spiel in Freiburg gewinnen zu können und das Ruder wieder rumzureissen. Aber es muss mehr Leben ins Team, mehr Aggressivität und mehr Kreativität. Ich denke, es kann uns entgegenkommen, dass der Sport-Club gewinnen muss und somit das Spiel machen will. Hier müssen wir massiv gegenhalten und mit schnellem Umschalten die Konterchancen nutzen. Holtby-Freier-Dedic-Sestak können dieses Spiel. Etwas Glück wird natürlich auch dazu gehören. Wichtig wird zudemsein, dass wir wenig Standards zulassen und deutlich besser stehen als in den Spielen zuletzt.

Zweimal konnten die Bochumer bisher an der Dreisam gewinnen: 1995 und 1996. Danach sah es mau aus. Eine 0:5-Klatsche im Dezember 2000 und ein Pokalaus (2:3 n.V.) 2004 inbegriffen. Das lezte Aufeinandertreffen in Freiburg war vor vier Jahren eine Nullnummer. - Nicht vergessen ist auch die 1:2 Hinrundenpleite der Bochumer, die in der Nachspielzeit den K.O.-Treffer bekamen, nachdem ein Freistoß für den VfL in Strafraumnähe nicht gegeben wurde.

Mein Tipp: SC Freiburg - VfL Bochum 0:1